Er ist wieder da

Er ist wieder da

Unser erster Theaterbesuch in der Pandemiezeit, der nicht in einem dauerdurchlüfteten Freilufttheater, sondern wieder in geschlossenen Räumen stattfand, führte heute vier Schattenlichter ins Kleine Theater am Südwestkorso.

Wer schon einmal dort war, weiß, dass es sich um ein – dem Namen entsprechend – kleines und gemütliches Theater handelt, bei dem alle eng beieinander sitzen. Klingt nicht gerade geeignet für die derzeitige Lage, aber das Team hat die Hygiene- und Abstandsregeln vorbildlich umgesetzt – auch wenn das für das Theater bedeutet, dass lediglich ein Drittel der 100 Sitzplätze besetzt werden kann.

In der Pause wurde gut gelüftet, der Pausengetränkeverkauf fand unter freiem Himmel statt, wobei ein Zelt vor dem Oktoberregen schützte, und immer wieder prüften die Mitarbeiter, ob sich alle Gäste an die Abstands- und Maskenregeln hielten. Da musste man nicht selbst die Initiative ergreifen und konnte sich auf den Theatergenuss konzentrieren.

Das heutige Programm fällt in die Kategorie „Beliebter Kinofilm auf die Bühne gebracht“. Das Erfolgrezept ist auch diesmal aufgegangen, obgleich wir im Vorfeld Schwierigkeiten hatten, uns vorzustellen, wie das gehen könnte.

Denn es handelte sich um „Er ist wieder da“, einen 2015 mit großem Stab verfilmten Bestseller-Stoff von Timur Vermes. Der Film lebt von klassischen Filmszenen vor Berliner Kulisse, aber auch von spontan in ganz Deutschland gedrehten Spontaninterviews und Begegnungen. Wie sollte das auf einer winzigen Bühne mit nur zwei Schauspielern klappen?

Das Kleine Theater hat „ganz einfach“ eine raffinierte und überzeugende Rahmenhandlung hinzuerfunden, und während Boris Freytag die Hauptrolle übernimmt, spielt Alessa Kordeck sämtliche zehn Nebenrollen. Das ist kurzweilig und witzig – und es transportiert jede Menge Stoff aus Film und Buch. Es geht also nichts verloren.

Die Story ist im Prinzip schnell erzählt: Es ist der 20. April 2020 in Berlin. Plötzlich erwacht Adolf Hitler irgendwo im Stadtzentrum auf einem Fußballplatz – zwar in leicht ramponierter Uniform, aber ansonsten unversehrt. Ausgerechnet an seinem Geburtstag muss er feststellen, dass er die letzten 75 Jahre offenbar verschlafen hat, dass das Deutsche Reich einer Bundesrepublik gewichen ist, die unglaublicherweise von einer Frau regiert wird, und dass sich die Grenzen Deutschlands zu seinen Ungunsten verschoben haben.

Doch schnell ist Hitler wieder obenauf, denn er versteht es, das Fernsehen, das „Internetz“ und die neuen Medien für seine Propaganda zu nutzen.
Wer wissen will, wie es ausgeht, hat im Oktober noch jede Menge Gelegenheit dazu: am 10., 11., 21., 22., 23. und 24. Oktober; Karten kosten 20 bzw. 15 Euro.

Die Schattenlichter müssen Euch aber warnen: Ihr werdet auf dem Heimweg noch lange Hitlers Sprrrache im Ohr haben …

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Autor: Elke Brumm

Elke Brumm ist das dienstälteste Schattenlicht. Bei der allerersten Aufführung im Weihnachtsgottesdienst 1985 in der Pauluskirche war sie noch Zuschauerin, aber schon beim zweiten Stück war sie aktiv dabei - und ist es bis heute geblieben. Neben den spielerischen Aktivitäten ist Elke Brumm das organisatorische Rückgrat der Schattenlichter; die studierte Theaterwissenschaftlerin und Germanistin (FU Berlin) macht für die Schattenlichter auch die Pressearbeit und die Programmhefte. Seit 2015 schreibt sie ungefähr einmal monatlich einen Theater-Tipp für den Freundeskreis der Schattenlichter, denn da die Schattenlichter immer nur im Februar spielen, muss man schließlich auch im restlichen Jahr wissen, wo man kurzweilige und inspirierende Theaterabende verbringen kann.

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