Von Monsieur Claude zu Monsieur Pierre

Und wieder einmal erleben die Schattenlichter einen Theaterabend, der unter dem Motto stand: Erfolgreiche Filmvorlage -> erfolgreiches Theaterstück.

Und wieder einmal war die Komödie am Kurfürstendamm – derzeit im Schiller-Theater – der Schauplatz dieses Erfolgsrezepts. Stück und Film: „Monsieur Pierre geht online„.

Nebenbei bemerkt, führte es zu leichten Verwirrungen im Schattenlichter-Kalender, dass wir gestern bei „Monsieur Claude“ und heute bei „Monsieur Pierre“ waren … Französische Komödie ist eben an sich schon ein Erfolgsrezept.

Im Mittelpunkt von Film und Schauspiel steht der Rentner Pierre, der seit dem Tod seiner Frau den Lebensmut verloren hat. Seine umtriebige Tochter mit Haaren auf den Zähnen und mit großer Organisationslust – für mich eine Traumrolle – besorgt ihm einen Computer und einen Computerlehrer. Der Lehrer ist eher zufällig der nichtsnutzige Freund von Pierres Enkelin; dieser Zusammenhang wird Pierre aber verschwiegen, weil die Mutter für die neue Beziehung ihrer Tochter keine Zukunft sieht.

Schon diese Heimlichtuerei führt zu einigen witzigen Verwirrungen. Aber richtig in Fahrt kommt die Komödie, als Pierre nicht nur verstanden hat, dass man auch am PC ein Fenster öffnen und einen Papierkorb benutzen kann, sondern als er sich auf eine Online-Dating-Seite begibt. Er nimmt Kontakt zu hübschen jungen Frauen auf, verwendet aber ein Foto seines 40 Jahre jüngeren Computerlehrers.

Es kommt, wie es kommen muss: Pierre findet eine Seelenverwandte, und sie möchte sich treffen. Da Pierre ja anders aussieht als auf dem Foto, schickt er den Freund der Enkelin zu dem Rendezvous. Nicht unproblematisch, da dieser nicht dieselben Fremdsprachen spricht wie Pierre und ja selbst gebunden ist. Und mehr sollte wirklich nicht verraten werden!

Alle fünf Schauspielerinnen und Schauspieler spielen ihre Rollen konsequent und – im Rahmen einer Komödie – durchaus glaubwürdig: Schön knurrig ist der Alte (Walter Plate), ziellos der Junge (Jochen Schropp), herzlich und erfrischend die Internetbekanntschaft (Vanessa Rottenburg), übermotiviert die Mutter (Manon Straché) und egozentrisch die Tochter (Magdalena Steinlein).

Das Bühnenbild arbeitet zum Thema passend mit großen Übertragungen des Bildschirms, beispielsweise witzigen Skype-Szenen. Damit diese Bilder die gesamte Bühne überspannen können, sind die Möbel in Weiß gehalten. Schlau – aber originelle und praktische Bühnenbilder sind ja ohnehin eine Spezialität der Kudamm-Komödie!

Das Fazit der Schattenlichter: Auch diesen Monsieur sollte man ansehen! Bis zum 21. April läuft er quasi täglich. Und da das Schiller-Theater riesig ist, gibt es auch noch genügend Karten für alle Leserinnen und Leser dieses Theater-Tipps.


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Theater und Kino in direkter Nachbarschaft

Wer unserem Theater-Tipp vom 23. Dezember 2018 gefolgt ist und im Steglitzer Schlosspark-Theater bei „Monsieur Claude und seine Töchter“ ebenso viel Spaß hatte wie wir, dem empfehlen die Schattenlichter, zeitnah direkt neben dem Schlosspark-Theater ins Adria-Kino zu gehen: Dort läuft seit gestern „Monsieur Claude 2 – Immer für eine Überraschung gut“.

Man könnte befürchten, dass Teil 2 nur ein billiges Remake von Teil 1 wäre, aber im Gegenteil: Wir fanden Teil 2 sogar noch besser. Es ist einfach unglaublich, was sich Drehbuchautor und Regisseur Philippe de Chauveron alles einfallen lässt, um das Unglück des spießbürgerlichen Ehepaars Verneuil noch zu verschlimmern.

Zweifelsohne ist der Film eine Komödie, aber gemessen an der großen Zahl von Hauptdarstellern – zwei Eltern, vier Töchter, vier Schwiegersöhne mit Wurzeln aus aller Herren Länder -, haben die Rollen unerwartet viel Tiefgang und Charme. Und das Spiel mit Klischees und Nationalstolz macht Spaß; sowas können die Franzosen naturgemäß viel besser als wir Deutschen.

Die Schattenlichter empfehlen: Hingehen!

Das Schlosspark-Theater zeigt „Monsieur Claude und seine Töchter“ wieder vom 13. bis zum 15. April.

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Theater im Hotel

„Menschen im Hotel“ ist der programmatische Titel eines Theaterstücks, das fünf Schattenlichter heute Abend in der Vaganten Bühne sahen – oder besser gesagt, sich erliefen. Denn bei diesem Stück sitzen die Zuschauer nicht passiv in ihren Theatersesseln, sondern sie bewegen sich im benachbarten Savoy Hotel von Etage zu Etage und von Zimmer zu Zimmer, um vier verschiedene Szenen an vier verschiedenen Orten zu erleben. Bis in die sechste Etage hinauf ging es, mit hervorragendem Blick auf die westliche Berliner Innenstadt.

Ein tolles Konzept! Wir sind schon am Überlegen, wie sich das auf die Schattenlichter übertragen ließe: Publikumsbewegung zwischen Großem Saal, Dorfkirche, Kulissenstellraum und Gemeindegarten? Ein Hotel im Berliner Zentrum ist natürlich mondäner!

Die Romanvorlage „Menschen im Hotel“ schrieb Vicki Baum vor fast 100 Jahren, nach eingehender Recherche als Zimmermädchen in luxuriösen Hotels. Die Handlung: Eine Handvoll Menschen trifft in einem Berliner Grand Hotel aufeinander. Ihre ganz unterschiedlichen Schicksale rund um Geschäfte, Liebe, Krankheit, Burnout und Armut verweben sich miteinander. Nicht nur spielerisch ist das Stück gut gelungen, auch logistisch ist es eine Meisterleistung, wir die Zuschauer an den echten Hotelgästen vorbei durchs Haus dirigiert werden und die Schauspieler zur richtigen Zeit im richtigen Zimmer sind.

Der von den Vaganten gewählte Schauplatz ist perfekt: Das Savoy entstand zeitgleich mit dem Roman, und die Schauplätze der Handlung – Theater des Westens und Kantstraße – befinden sich direkt vor der Tür. Stark!

A propos Historie: Die Schattenlichter gehen auf ein 35-jähriges Bestehen zu. Genau doppelt so alt ist die Vaganten Bühne: Vor 70 Jahren von Horst Behrend gegründet, hatte das Theater zuerst keine feste Spielstätte. Mitte der 50er-Jahre bezogen die Vaganten ihr Domizil am Theater des Westens, wo sie bis heute aktiv sind – wenn sie nicht gerade im Savoy Hotel spielen …

In 70 Jahren haben die Vaganten 500 Inszenierungen gezeigt – mit mehr als 1.500 Darstellern. Der heutige Leiter, Jens-Peter Behrend, ist der Sohn des Gründers.

Die Schattenlichter gratulieren – und empfehlen einen Besuch bei den Vaganten. „Menschen im Hotel“ wird wieder an den Sonntagen 31.3., 7.4. und 28.4. gezeigt. Online gibt es keine Karten mehr, aber an der Abendkasse sollte es klappen: Tel. 030 3131207.

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Schöner wohnen, aber nicht gemeinsam leben

Aus: Paulus Blätter (4/2019)
Autor: Lothar Beckmann

Das Theaterstück ist eine Mogelpackung. Bis zum Richtfest, so der Titel, schaffen es die Schauspieler nicht in diesem Drama, das die Theatergruppe Schattenlichter im Februar aufführte. Was harmonisch beginnt, als das Modell des gemeinsam zu bewohnenden Hauses von allen Handys begeistert abgelichtet wird, geht zwieträchtig bergab. Die Mitglieder der Baugemeinschaft liegen am Ende am Boden – im wahrsten Sinne des Wortes.

Zu unterschiedlich sind die Wünsche. Das Haus aus Glas lässt sich nicht gleichzeitig und gleichwertig einpassen ins Leben eines jungen Paares, eines alleinstehenden Senioren, eines bibliophilen Professors samt Partnerin aus der PR-Branche, eines Möbel missbilligenden Architekten und von zwei zwischen allen Stühlen sitzenden Künstlerinnen. Die Wünsche beißen sich: hier Dienstmädchenzimmer, dort Kinderzimmer. Das Traumhaus ist mal Plattenbau, mal Caritas-Heim, aber nie trautes Heim.

Die Schattenlichter spielen die fein gedrechselten Dialoge in vielen kurzen Szenen in wechselnder Kulisse, auch vor und neben dem Vorhang. Der Umbau im Halbdunkel klappt wie am Schnürchen. Die Figuren oben polarisieren die Zuschauer unten. Die Guten wie die schwangere Studentin mit ihrem Freund, dem Assistenzarzt, und die umtriebige Leiterin der Jugendhilfe, streiten mit den Bösen wie der unflätigen PR-Frau und dem aalglatten Architekten. Zu erwähnen ist Marco Höhmann in der Rolle des Senioren: Am Anfang mit federndem Schritt und flotten Sprüchen unterwegs, sitzt er zuletzt im Rollstuhl. Ein überzeugendes Darstellerdebüt in der Theatergruppe Schattenlichter.

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Premierenbesuch: „Richtfest“ von Lutz Hübner

Aus: Zehlendorf aktuell (3/2019)
Autor und Fotograf: Carsten Scheibe

Eins ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Hobbytheatergruppe „Schattenlichter“ (www.schattenlichter.info) führt einmal im Jahr ein neues Stück im Großen Saal des Gemeindehauses Teltower Damm 6 in Zehlendorf-Mitte auf. Was damals als kleine Konfirmandengruppe begann, ist heute ein unverzichtbarer Baustein des kulturellen Lebens im Bezirk. In diesem Jahr traten die „Schattenlichter“ bereits zum 37. Mal an. Wie in jedem Jahr, so wurde auch dieses Mal an drei Abenden Theater gespielt. Die Schauspieler traten erneut vor einem ausverkauften Saal auf. Vor allem die Senioren aus dem Bezirk schätzen es, wenn sie einmal unterhaltsame Kultur direkt vor der eigenen Haustür für einen schmalen Taler angeboten bekommen. Vom 21. bis zum 23. Februar wurde dieses Mal eine Einladung zum „Richtfest“ ausgesprochen. Das Stück stammt von Lutz Hübner und seiner Co-Autorin Sarah Nemitz. Bereits 2016 hatten die „Schattenlichter“ ein Stück des Erfolgsautoren auf die Bühne gebracht: „Frau Müller muss weg“ hieß es damals.

Im „Richtfest“ geht es um eine Baugemeinschaft, die sich gerade erst gefunden hat, um sich mit der Hilfe eines willigen Architekten den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Die Schicksalsgemeinschaft zieht am Anfang noch an einem Strang, schließlich gilt es doch, das gemeinsame Ziel im Auge zu behalten. Aber wie viele Kompromisse kann man eingehen, bevor die schöne Fassade der Freundlichkeit bröckelt und die Wut hochschäumt? Im „Richtfest“ prallen jedenfalls Welten aufeinander. Der Architekt, der sein Lebenswerk in Stein errichten möchte. Das reiche kinderlose Pärchen, das nicht aufs Geld schauen muss. Die mittellose Jungfamilie, bei der Nachwuchs ansteht. Der patente, alte Mann, der in Wirklichkeit so einige Probleme hat. Und die Öko-Mutter, die Freude an alternativen Formen des Zusammenlebens hat.

Für das Stück mussten die „Schattenlichter“ ihren Personen-Fundus noch einmal erweitern. Die acht Stammschauspieler reichten nicht aus, vier weitere Rollen mussten besetzt werden. Das ist mit einigen neuen Gesichtern gelungen, auch wenn es auf der Bühne manchmal voll wird. Man muss wissen, dass die „Schattenlichter“ keinen Regisseur haben und sich somit ihre Stücke gemeinschaftlich erarbeiten. Das gelingt erstaunlich gut: Die „Schattenlichter“ sind immer auf den Punkt vorbereitet und spielen mit großer Freude. Manche Gesichter und Stimmen kennt man schon – und freut sich jedes Jahr auf ein Wiedersehen.

Zum Stück selbst: „Richtfest“ wirkt leider sehr konstruiert und birgt in seiner geradlinigen Annäherung an eine finale Eskalation aller Beteiligten keine wirklichen Überraschungen. Ganz im Gegensatz zu „Der Vorname“, den die „Schattenlichter“ im letzten Jahr gespielt haben.

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Ein beachtliches 30-jähriges Stückjubiläum

Au Mann! Wenn ein Theaterstück 30-jähriges Jubiläum feiert und man sich erinnert, bei der Premiere nicht etwa ein Kleinkind, sondern bereits eine Abiturientin gewesen zu sein, dann führt einem das brutal vor Augen, wie die Zeit vergeht. So erging es mir gestern Abend im GRIPS Theater, wo ich mit vier Schattenlichtern das – wie ich immer sage – wichtigste Stück des GRIPS Theaters ansehen wollte: „Ab heute heißt du Sara“.

Schon als Menschen mit Blumensträußen und Fotoapparaten durchs Theaterfoyer liefen und Theaterleiter Philipp Harpain zu Stückbeginn auf die Bühne trat, war klar: Irgendwas ist heute besonders. Das Stück – die szenische Aufarbeitung der Lebensgeschichte von Inge Deutschkron, Berliner Jüdin im Nationalsozialismus, – hat sich also schon 30 Jahre lang gehalten. Das ist gut, denn die Auseinandersetzung mit der Nazizeit ist ja bekanntlich sehr wichtig, und gerade Schulklassen dazu zu bringen, sich auch emotional in diese unschöne Zeit hineinzuversetzen, ist eine große Leistung. Noch besser ist es, dass sich einige Schulen im Vorfeld intensiv mit dem Stück und seiner Epoche befasst haben; hierfür gab es Blumen von der Senatsschulverwaltung für eine besonders engagierte Lehrerin und GRIPS-Theaterkarten für die engagierten Schulklassen. Auch das GRIPS bekam einen Blumenstrauß – gewissermaßen auch stellvertretend für Inge Deutschkron, die Deutschland zwar in den 1960er-Jahren – von der Allgegenwart von Altnazis in wichtigen Ämtern frustriert – verlassen hatte, aber Ende der 1980er für „Ab heute heißt du Sara“ wieder nach Berlin kam und sich hier seitdem als Zeitzeugin engagiert.

Wie es GRIPS-Gründer Volker Ludwig 1989 geschafft hat, aus Inge Deutschkrons Autobiografie 33 einprägsame, anrührende und immer wieder auch lustige Theaterszenen zu machen, die von Detlef Michel die passende musikalische Untermalung bekamen, hat mich schon 1989 als Schülerin begeistert. Die Zeitschrift „Theater heute“ war so angetan, dass sie das komplette Stück in einer Ausgabe von „Theater heute“ abdruckte. Ich sehe das Stück etwa alle zwei Jahre wieder und mische mich mit verschiedenen Begleitern unter die zahlreichen Schulklassen. Nach wie vor gilt: Keinen lässt die Inszenierung kalt, und auch die mit Chipstüten raschelnden Schüler verstehen die Botschaft. Gestern zum Beispiel flüsterte es hinter mir: „Die alte Frau tut mir total leid!,“, und die Antwort war: „Ich heul auch gleich.“ Genauso konnte aber auch herzhaft gelacht werden – beispielsweise, wenn die Möbelhändler, die das Hab und Gut der Familie Deutschkron für dünne Münze aufkaufen, ihren „Händlersong“ vortragen und dabei mit Stühlen artistischen Choreografien folgen.

In einem gutsortierten Haushalt findet sich alles an, so auch das Textbuch von 1989. Die darin enthaltenen Fotos sorgten bei mir nach dem Theaterbesuch noch für einen heiteren Abend zu Hause: Vom Anfangsensemble sind auch nach 30 Jahren Dietrich Lehmann und Thomas Ahrens in heutigen „Sara“-Ensemble. Während die Inge-Darstellerin jung geblieben ist – sie muss zu Stückbeginn 1933 elf Jahre alt sein und zum Kriegsende Anfang 20, sodass sie im Lauf der Jahre von immer neuen Schauspielerinnen verkörpert werden musste -, ist ihr Bürokollege Werner – Thomas Ahrens – inzwischen einfach mal 30 Jahre älter geworden. Gleiches gilt für Dietrich Lehmann als Otto Weidt, den Leiter der Blindenwerkstatt, der zahllosen Jugend in der Nazizeit geholfen hat. Aber ob 30, 60 oder 90 Jahre alt – der Typus muss stimmen, und das haben die GRIPS-Profis voll drauf. Wenn es nicht so peinlich wäre, würde ich nach jedem Theaterbesuch Unmengen von Blumensträußen für das gesamte Ensemble auf die Bühne werfen.

Auch wenn es gestern ausverkauft wirkte, gibt es für heute und morgen, 7. und 8. März, offenbar noch Karten für die „Sara“-Vorstellungen um 18 Uhr. Die Schattenlichter empfehlen: Hingehen, hingehen, hingehen! Und eine kleine Botschaft ans GRIPS: Die Orte und Daten der einzelnen Szenen waren früher sehr viel besser lesbar!

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Schattenlichter feiern Premiere in Zehlendorf


Aus: facebook.com/Zehlendorfaktuell
Autor: Carsten Scheibe (22.02.2019)

Dieses und weitere 18 Fotos der gestrigen Theaterpremiere veröffentlicht Carsten Scheibe auf der Facebook-Seite von „Zehlendorf aktuell“

Au weia, das klingt nach Zoff. Die Schattenlichter feierten gestern Premiere. Die Schauspielertruppe führte ihr 37. Stück auf. Es ist von Lutz Hübner, der auch „Frau Müller muss weg“ geschrieben hat. Das neue Stück heißt „Richtfest“. Eine wilde Mischung aus verschiedensten Menschen möchte gern eine Baugemeinschaft gründen, um sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen.

Am Anfang sehen alle die aufkeimenden Probleme nur durch die rosarote Brille. Aber schon bald keimen die ersten echten Konflikte auf – um Geld, Quadratmeter und Lebensart. Süffisant zeigt Lutz Hübner auf, wie mit der Zeit immer mehr Zoff um die Baupläne entsteht. Der Zuschauer hat viel Vergnügen an dieser Demontage der hehren Gemeinschaft und am Aufkeimen des reinen Egoismus. Extra für das Stück haben sich die Schattenlichter um vier neue Mitglieder erweitert.

Gespielt wurde im Großen Saal des Gemeindehauses Teltower Damm 6 in Zehlendorf-Mitte. Heute und morgen wird das Stück noch einmal aufgeführt, Karten gibt es über schattenlichter.info, falls nicht schon alles ausgebucht ist. (Fotos: CS)

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Alle Wege führen nach Zehlendorf

Berlinale, drei Generationen Thalbach oder Berliner Käsetage? Weit gefehlt: Im Februar empfehlen die Schattenlichter nur eins: die Aufführungen der Schattenlichter!

In der kommenden Woche am Donnerstag, Freitag und Samstag ist es soweit: Dann zeigen wir unser diesjähriges Stück „Richtfest“. Die Proben laufen auf Hochtouren, damit wir Euch Lutz Hübners Theaterstück optional präsentieren können.

Die Aufführungen am 21. und 22. Februar beginnen um 19:30 Uhr, am 23. Februar um 18 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse 20 Minuten vor Stückbeginn.

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Ein Haus für alle – geht das? Theatergruppe Schattenlichter spielt das Stück „Richtfest“ von Lutz Hübner

Die Theatergruppe Schattenlichter bringt ihre 37. Aufführung auf die Bühne. Entschieden haben sich die Hobby-Schauspieler für das "Richtfest" von Lutz Hübner. Im Stück will sich eine Baugemeinschaft an den Hausbau wagen und muss erkennen, dass der Weg zum Traumprojekt voller Hindernisse ist.

Die Theatergruppe Schattenlichter bringt ihre 37. Aufführung auf die Bühne. Entschieden haben sich die Hobby-Schauspieler für das „Richtfest“ von Lutz Hübner. Im Stück will sich eine Baugemeinschaft an den Hausbau wagen und muss erkennen, dass der Weg zum Traumprojekt voller Hindernisse ist. (Foto: Ulrike Martin)
Der Grundriss des gemeinsamen Hauses löst  Begeisterung bei der Baugemeinschaft aus. Sie verfliegt jedoch schnell.
Der Grundriss des gemeinsamen Hauses löst Begeisterung aus. Sie verfliegt jedoch schnell. (Foto: Ulrike Martin)

Aus: Berliner Woche für Zehlendorf
Autor: Ulrike Martin (06.02.2019)

Die eigenen vier Wände – Traum oder Alptraum? Die Geschichte einer Baugemeinschaft, die sich zum Hausbau entschließt, ist jetzt auf der Bühne im Paulus-Gemeindehaus am Teltower Damm zu sehen. Die Theatergruppe Schattenlichter haben sich für ihre 37. Aufführung das „Richtfest“ von Lutz Hübner ausgesucht.

In dem Stück geht es um sechs Parteien, die sich auf das Wagnis einlassen wollen, gemeinsam zu wohnen. Denn was der Einzelne finanziell nicht leisten kann, soll kollektiv gelingen: ein zu Haus bauen, in dem jeder der Beteiligten seine individuellen Vorstellungen umsetzen kann und glücklich wird.

So herrscht zu Beginn auch die reinste Euphorie. Architekt Philipp (Marc Roulet) stellt seinen Entwurf vor und alle sind begeistert. Sein Modell überzeugt mit viel Licht und Glas. Auch emotional scheint zwischen den nur locker bekannten künftigen Bauherren- und frauen alles im grünen Bereich. „Wir sind nicht irgendwelche Nachbarn, sondern wie eine selbst gewählte Familie“, heißt es, oder „Gemeinsam verblöden ist viel unterhaltsamer als alleine.“

Erste Risse zeigen sich aber schnell. So sagt die eher konservative Birgit (Ariane Ahlgrimm), die in der Jugendhilfe arbeitet: „Ich habe noch nie in einem Haus gewohnt, das nur aus Glas besteht.“ Das ist ihr zu offen, sie braucht Geborgenheit. Vera (Kristina Lane) und Ludger (Iver Lauermann), Professor für Soziologie und PR-Frau, outen sich ebenfalls: „Wir sind bourgeois, haben viele Bücher, brauchen feststehende Wände.“ Diese Wände geht Architekt Phiipp dann sprichwörtlich hoch. Er sieht sein Glashaus gefährdet. „Ich kann doch im ersten Stock keine Klinkerfassade einziehen.“ Als dann noch die jüngsten potenziellen Häuslebauer, der Assistenzarzt Christian (Nick-Michel Martin) und die Studentin Mila (Elise Griepe) in finanzielle Nöte geraten, weil Mila schwanger wird, ist das Chaos programmiert.

Lutz Hübner und Co-Autorin Sarah Nemitz illustrieren in „Richtfest“, was passieren kann, wenn Erwartungen und Interessen von Menschen aufeinander treffen, die aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen stammen, und dann noch finanzielle und familiäre Einschränkungen hinzukommen. So stellt sich die Frage, wie weit Solidarität und Idealismus gehen und welche Rolle der Egoismus des Einzelnen spielt.

Die Besetzung des Stückes war für die Schattenlichter, die 1985 als Konfirmandengruppe in der Paulus-Gemeinde mit Schattenspielen begannen, eine echte Herausforderung. Die achtköpfige Laienspielschar konnte nicht alle Rollen besetzen. Neue Ensemblemitglieder mussten gesucht werden. Vor allem für die Rolle des Assistenzarztes fand sich nicht so schnell ein geeigneter Kandidat. Erst beim vierten Versuch passte es. Aber alles hat sein Gutes. „Wir sind jetzt altersmäßig besser gemischt als zuvor“, sagt Elke Brumm, die seit 1986 dabei ist.

Die Aufführungen im Paulus-Gemeindehaus am Teltower Damm 4 – 8 finden am Donnerstag und Freitag, 21. und 22. Februar, um 19.30 Uhr sowie am Sonnabend, 23. Februar, um 18 Uhr statt. In den Pausen wird ein Imbiss gereicht, den die Flüchtlingshilfe des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf organisiert.

Karten für das „Richtfest“ kosten fünf Euro. Sie sind erhältlich über ein Internetformular unter www.schattenlichter.info. Nicht abgeholte Restkarten gibt es jeweils an der Abendkasse.

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