Skandal im Spreebezirk

Skandal im Spreebezirk

Was für ein Kabarett: Der BER wurde nur dreimal erwähnt – als Beispiel für die Verschwendung von Steuergeldern oder für die große deutsche Tugend der Geduld. Wenn der BER in einem Berliner Kabarett keine wichtige Rolle spielt, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass es zurzeit andere dringende Themen in diesem unseren Lande gibt.

Das Kabarettistenteam der „Distel“ griff vielerlei Top-Aktuelles auf – beispielsweise Political Correctness, die Europapolitik, Steuerflüchtlinge, andere Flüchtlinge, das Phänomen der deutschen Angst, was Deutsche von Amerikanern lernen können, die Verkehrspolitik der deutschen Bahn, den schleichenden Tod der SPD, die Berliner Mietenpolitik, den Dieselskandal, das deutsche Steuersystem …

Es gab eigentlich nichts, was nicht zur Sprache kam. Nur der Klimawandel wurde nicht mehr behandelt – denn dafür war es schon „zu spät“!

Das neue Programm der „Distel“, „Skandal im Spreebezirk“, greift auf die bewährten Elemente der „Distel“ zurück: gesprochene und gesungene Kabarett-„Nummern“ zu allen Themen, die die Berliner derzeit bewegen, kurzweilig, kritisch und zugleich witzig, verständlich, nachdenklich machend, und hin und wieder bleibt einem das Lachen im Halse stecken …

Fünf Schattenlichter haben sich bestens unterhalten und die Fähigkeiten der drei Schauspieler und der beiden Musiker bestaunt. Daher unsere Empfehlung: Hingehen! Und auf keinen Fall schon beim ersten Applaus gehen, denn erst danach erschließt sich der Titel des Programms: „Skandal im Spreebezirk“!

Die nächsten Termine zeigt der Spielplan der „Distel„.

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„Die Mauer wird noch in 100 Jahren stehen“

„Die Mauer wird noch in 100 Jahren stehen“

Dieser Theater-Tipp führt Euch am Feiertag, dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2019, in den Spreewald: In der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben gibt es eine Theaterveranstaltung unter dem Motto „30 Jahre friedliche Revolution“.

Der Theatertext stammt nicht nur von einem Mitglied der Schattenlichter, sondern er ist authentisch, quasi autobiografisch. Warum? Da muss ich etwas weiter ausholen:

Im Mai 1989 lebten wir in West-Berlin im Schatten der Mauer. Während von der anderen Seite „Die Mauer wird noch in 100 Jahren stehen“ herüberschallte, hielten auch wir in Berlin-Zehlendorf die Mauer für unverrückbar, so festgefahren schien die Lage nach 40 Jahren Kaltem Krieg.

Ich war gerade in der 12. Klasse; damals brauchte man an West-Berliner Gymnasien regulär 13 Jahre bis zum Abitur. Für ein Referat in meinem Grundkurs Geschichte musste ich eine Befragung durchführen – mit der Fragestellung: „Wie könnte es zu einer Wiedervereinigung kommen und für wann ist sie wahrscheinlich?“

In Fächern, die mich interessierten, war ich eine recht fleißige Schülerin. Also befragte ich ganze 45 Personen, und zwar nicht nur meine Schulfreunde und Verwandten, sondern auch Menschen in Ost-Berlin und Dresden, in Polen, Frankreich, Algerien und in den USA – eben alle, die ich irgendwoher kannte und von denen ich mir interessante Antworten erhoffte. Das Referat war dann auch recht spannend. Eine Schulstunde war dafür angesetzt – gebraucht habe ich vier.

Die Antwortenden gingen größtenteils davon aus, dass sie selbst eine Wiedervereinigung nicht mehr erleben würden; für so unwahrscheinlich hielten sie eine grundlegende Veränderung der politischen Lage.

Schon fünf Monate später hat uns die friedliche Revolution eines besseren belehrt. Gerade dieses kurze Zeitintervall macht die Antworten meiner Interviewpartner so einmalig!

Ein paar Jahre später überlegte ich, was ich mit diesem historischen Dokument machen sollte, denn dass diese Texte es verdienen, noch von weiteren Menschen außer von meinen Mitschülern gehört zu werden, lag für mich auf der Hand. So schrieb ich ein kleines Theaterstück als Rahmenhandlung zu den 45 Aussagen. Die Idee: Jede Theatergruppe beliebiger Größe kann sich dieses Stücks annehmen, die Rahmenhandlung realistisch spielen und die 45 Stellungnahmen von zwei bis 45 Schauspielern aufführen.

Zu meiner Freude erlebt „Die Mauer wird noch in 100 Jahren stehen“ nun also am 3. Oktober seine Uraufführung. Auf dem Lübbener Theaterflyer stehen die Namen von 14 Mitspielerinnen und Mitspielern, die das Stück unter der Leitung von Ute Köhler darbieten. Offenbar werden Fotos eine Rolle spielen, denn es finden auch die Namen zahlreicher Fotografen auf dem Flyer eine Erwähnung.

Ich selbst habe am 3. Oktober eine leider unverrückbare Einladung, aber ich freue mich, wenn andere Menschen den Weg nach Lübben finden und den Schattenlichtern berichten! Und der Truppe um Ute Köhler wünschen die Schattenlichter Toi toi toi!

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Madness takes its toll

Madness takes its toll

Dass Theater mit Musik kombiniert wird, erlebt man ja öfter mal. Auch Theater im Zusammenhang mit einer Lesung oder mit Tanz hat man schon gesehen. Aber Theater mit einem Kinofilm?

Es war ein ungewöhnlicher Abend, den fünf Schattenlichter am letzten Augusttag im Freiluftkino Rehberge erlebten: Das Kino hatte zum 14. Mal – wie immer gegen Ende der Freiluftsaison – zur „Rocky Horror Picture Show“ geladen. Dieser Film, der im Sommer 1977 in die Kinos kam und häufig in der englischsprachigen Originalversion gezeigt wird, hat keine besonders aufregende Handlung, weshalb wir hier ausnahmsweise darauf verzichten, sie zusammenzufassen.

Vielmehr sind die Figuren so schrill und einige der Filmsongs so mitreißend, dass „Rocky Horror“ es zu einer Art Kultstatus gebracht hat.

So hat sich zum einen eingebürgert, dass man zum Filmabend in einem Kostüm erscheint, das zu einem der Filmcharaktere passt; zumeist als farbenfroher Travestit, aber gerne auch als buckliger Diener mit strähnigen Haaren. In den Rehbergen war diesmal sogar ein muskelbepackter Jüngling zu sehen, der nur mit einem goldenen Slip bekleidet war und seinem Filmvorbild in nichts nachstand.

Zum anderen gehört zum Kult, dass bestimmte Szenen kommentiert werden: Jedes Mal, wenn der monotone Erzähler, der durch die Handlung führt, zu weiteren Erläuterungen ansetzt, rufen die Filmzuschauer aus vollem Hals: „Boring!“ Wenn der Vorname der weiblichen Hauptrolle fällt (Janet), wird ihr Nachname (Weiss) gerufen. Und wenn der männliche Hauptdarsteller Janet seine Liebe gesteht, stottert das Publikum mit: „I really loved that skil… skil… skilful way …“

Aber auch das Wetter im Film wird imitiert: Wenn es regnet, spritzen die Wasserpistolen im Publikum, dass die Waldbrandgefahr in den Rehbergen für Wochen gebannt ist; wenn es neblig wird, fliegt Mehl, was zusammen mit Wasser einen interessanten Brei auf Haaren, Schultern und Rücken ergibt. Natürlich wird beim Heiraten Reis geworfen. Und das für mich eindrucksvollste Bild war, als Klorollen durch die Luft flogen und lange Klopapierschweife hinter sich her zogen.

Und die eingangs angekündigten Schauspieler? Das Freiluftkino-Team hat den „Rocky Horror“-Kult inzwischen so weit entwickelt, dass unbezahlte Hobbyschauspieler den gesamten 100-minütigen Film auf einer Bühne vor der Leinwand mitspielen. Alle sind leidenschaftlich bei der Sache, super kostümiert und manchmal sogar ein paar Sekunden schneller als das Filmgeschehen! Sehr, sehr witzig!

Ein einziger Wehrmutstropfen war, dass der Film selbst zu leise abgespielt wurde. Vermutlich ist die „Sound“-Anlage dem wilden Geschehen auf der Bühne und im Publikum einfach nicht gewachsen. So waren die „Boring“-Rufe häufig bitterer Ernst, da die eigentliche Filmhandlung akustisch nicht rüberkam. Nun kann man einwenden, dass es bei dieser Show ohnehin schon längst nicht mehr um den Film geht, aber zumindest für Zuschauer, die erst noch zu Fans werden wollen, wäre verständlicher Text hilfreich.

Unsere Empfehlung für 2020: Rechtzeitig Karten sichern, auf einen so lauen Sommerabend wie am 31. August 2019 hoffen und vorher schon mal den Film auf DVD o. Ä. ansehen, falls man ihn noch nicht kennt!

Und wer kurzfristigere Empfehlungen mag: Die Saison im Freiluftkino Rehberge geht noch bis 7. September. Einfach mal ins Programm schauen!

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Ein Theaterjubiläum und Karten zum „ganz speziellen Sonderpreis“

Ein Theaterjubiläum und Karten zum „ganz speziellen Sonderpreis“

Das Schlosspark-Theater wird zehn Jahre alt – und dieses Jubiläum ist sich des allergrößten Respekts der Schattenlichter sicher. Denn es war eine enorme Leistung von Dieter Hallervorden, sich dieses Hauses anzunehmen und wieder ein täglich spielendes Theater in Steglitz-Zehlendorf zu etablieren.

Unser Theater-Tipp: Feiert und freut Euch mit dem Schlosspark Theater: am Samstag, 24. August, von 12 bis 18 Uhr!

Die Schattenlichter waren als gute Nachbarn schon mehrfach bei den Sommerfesten des Schlosspark-Theaters, und jedes Mal gab es etwas Spannendes und Unterhaltsames zu sehen. Diesmal werden Auftritte namhafter Künstler auf der Gartenbühne angekündigt, zudem Autogrammstunden und die Möglichkeit zu Gesprächen, ein Theaterworkshop für Kinder und nicht zuletzt die Möglichkeit, Eintrittskarten zum „ganz speziellen Sonderpreis“ zu erstehen. Auch an Essen und Getränken soll es nicht mangeln.

Wem „namhafte Künstler“ nicht konkret genug sind und wer bis hier weitergelesen hat, erfährt Details: Zugesagt haben Wolfgang Bahro, Dagmar Biener, Susanna Capurso und Santiago Ziesmer, Irene Christ, Harald Effenberg, Rita Feldmeier, Brigitte Grothum, Karsten Kramer und Oliver Nitsche, Antje Rietz und Achim Wolff. Auch Dieter Hallervorden wird einen Beitrag leisten, und es wird Gespräche mit Ensemblemitgliedern der nächsten Produktionen geben: „Adel verpflichtet“ und „Ruhe! Wir drehen!“ Die Moderation übernimmt der neue Theaterleiter, Markus Lorenz. Das verspricht, interessant zu werden.

Ganz herzlich gratulieren die Schattenlichter!

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Schon wieder ein Jubiläum!

Schon wieder ein Jubiläum!

Im GRIPS Theater hat gestern die neue Spielzeit begonnen – traditionell mit dem Berlin-Musical „Linie 1“. Schon am kommenden Montag, dem 12. August 2019, gibt es ein Jubiläum auf dem Spielplan: die 1.900. Vorstellung von „Linie 1“.

Etwas hat sich seit der Uraufführung im Jahr 1986 geändert: Es gibt noch Karten – und man kann sie online bestellen und bezahlen! Also nichts wie hin!

Die Schattenlichter werden nicht dabeisein können, weil auch unsere regelmäßigen Proben nach der Sommerpause am 12. August wieder starten. Wir werden uns die 2.000. Aufführung vormerken.

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Ein Versmaß, das nicht rumpelt

Ein Versmaß, das nicht rumpelt

Ein Theater-Tipp im Sommermonat Juli empfiehlt am besten eine Freiluftbühne. Zwar sind die ganz heißen Tage gerade vorbei, aber auch gestern Abend ließ es sich gut unter freiem Himmel aushalten. Wer keine Jacke hatte, konnte sich kostenlos eine flauschige Decke ausleihen.

Die Freiluftbühne, die vier Schattenlichter gestern besuchten, ist eine nagelneue Bühne in Berlin – aber ihr Betreiber ist ein alter Hase in seinem Metier: Christian Leonhardt, der Gründer und langjährige Betreiber der Shakespeare Company Berlin, die im Schöneberger Südgelände zu Hause ist – siehe Freiluft-Theater-Tipp vom August 2018 -, hat eine neue Spielstätte eröffnet: das Globe Berlin in der Charlottenburger Sömmeringstraße. Wenn alles gutgeht, will er ab 2020 ein festes Globe Theater aufmachen, und als eine Art Vorspiel gibt es seit 1. Juni die genannte Freiluft-Variante.

Mit 50 Vorstellungen von „Romeo und Julia“ geht es los. Hier ist deutlich die Handschrift zu erkennen, die wir bereits von der Shakespeare Company Berlin kennen, und das ist erfreulich. Denn diese Shakespeare-Interpretationen sind – anders als die bloße Lektüre der Texte – kurzweilig, humorvoll und abwechslungsreich.

Das Bühnenbild ist – der Freiluft-Örtlichkeit angemessen – schlicht, aber absolut passend und voller praktischer Kniffe. Maske und Kostüme folgen einem klaren Konzept, weshalb man auch bei Shakespeare-Massenstücken den Überblick behält, wer wer ist und zu welchem Clan gehört. Und die Schauspieler spielen nicht nur toll, sondern sie sind auch noch musikalisch: Mehrere mehrstimmige Gesangseinlagen und Gitarren-, Ukulelen-, Mandolinen- und Harfeneinsätze untermalten die dramatische Handlung stimmungsvoll.

Die Schattenlichter haben mit Versmaß keine gute Erfahrung gemacht und halten entsprechende Stücke von ihrem Spielplan fern. Aber die Globe-Truppe ist der Herausforderung gewachsen und trägt das Versmaß augenzwinkernd und gänzlich ohne zu leiern vor.

Wir empfehlen: Hingehen! „Romeo und Julia“ laufen noch rund 40-mal – donnerstags sogar auf Englisch -, außerdem gibt es auf der Globe-Bühne weitere Stücke von Brecht und Bukowski.

Das Theater wird nicht subventioniert; hier tut man als Zuschauer also was besonders Gutes! in

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Zum 50. GRIPS-Geburtstag Gastspiel der „Seoul Line 1“

Zum 50. GRIPS-Geburtstag Gastspiel der „Seoul Line 1“

Als das GRIPS Theater im Sommer 1994 sein 25-jähriges Bestehen feierte, hatte ich dort einen Job als studentische Hilfskraft. Dass das Theater nun schon 50 wird, fühlt sich für mich merkwürdig an, obwohl ich ja immerhin 25 Jahre hatte, um mich auf diesen Augenblick vorzubereiten.

Das GRIPS-Jubiläum beobachte ich natürlich auch im Hinblick auf das damalige Halbzeit-Jubiläum: Ich erinnere mich vor allem daran, dass es damals viel internationalen Besuch und entsprechend spannenden kulturellen Austausch gab.

Diesmal ist es genauso – und das Publikum darf daran teilhaben. Das ist toll! In den vergangenen Tagen waren bereits Gastspiele aus Indien und Griechenland auf der Geburtstagsbühne zu sehen. Die vier GRIPS-treuesten Schattenlichter entschieden sich heute Abend für ein Gastspiel aus Südkorea: die „Seoul Line 1“ von Kim Min’Gi nach Volker Ludwig – dem Autor der Berliner Original-„Linie 1“ – mit deutschen Übertiteln.

Mehr als 4.000 Aufführungen hat die asiatische „Linie 1“ schon hinter sich – und damit rund doppelt so viele wie das Original vom Hansaplatz.

Die Seouler Version sei ein völlig neues Theaterstück, sagte „Linie 1“-Autor und GRIPS-Gründer Volker Ludwig im Rahmen der Premiere zu Kim Min’Gi. Ja und nein, finden die Schattenlichter, denn in der „Seoul Line 1“ ist vieles aus „Linie 1“ gut wiederzuerkennen bis hin zu den Choreografien einzelner Lieder. „Linie 1“-Kenner der frühen Stunde konnten sich sogar über ein Lied freuen, das in der aktuellen „Linie 1“ gar nicht mehr zu finden ist: das Lied der Kontrolleure bzw. U-Bahn-Dschungelkrieg.

Spannender ist natürlich zu sehen, was in Seoul anders ist als in Berlin: Die Gesellschaft wirkt gespaltener, Armut, Hunger und Elend spielen eine größere Rolle, der IWF ist ein Feind der Armen, Prostitution dominiert ein ganzes Stadtviertel, man hat eine diffuse Angst vor dem Gefängnis …

Die heitereren Unterschiede: Kreuzberg ist in Seoul einfach „588“. Die Bahnhofsansagen sind höflich und akustisch verständlich; sie weisen darauf hin, dass andere Fahrgäste nicht zu belästigen seien und dass die Staatssicherheit aufpasse. Die U-Bahn fährt aufgrund verschiedener Hersteller auf einigen Linien im Linksverkehr, auf anderen rechts, wodurch man leicht mal in die falsche Richtung fährt …

Der Zoo-Imbiss ist in Seoul ein Imbisswagen. Einige Rollen sind anders zusammengefasst; so singt das Pendant von Boulettentrude auch Herrmanns Lied „Herrlich zu leben“, und Maria und Lumpi sind ein und dieselbe Person. Und – haltet Euch fest – es gibt keinen Jungen in Hut und Mantel!

Wenn es in Berlin heißt: „Du einzige Stadt auf der Welt, wo in allen Richtungen Osten ist“, heißt es heute Abend: „Seoul, du Stadt ohne Norden!“ Und statt „Mit dem Fuß in der Hundescheiße“ steht man „in ausgekotzter Nudelsuppe“. Großartig!

Singen können die Seouler Darsteller erstklassig. GRIPS-Komponist Birger Heymann hätte seine Freude gehabt. Die fünfköpfige Band heißt übrigens ebenfalls „No Ticket“, hat aber anstelle eines Saxophons eine Geige!

Beim Spiel konkurrieren manchmal ernsthafte und komödienhaft-übertriebene Darstellungen; die Gestik wirkt insgesamt größer, als wir es gewohnt sind. Nach dem dreieinhalbstündigen Abend verabschieden sich die Darsteller am Ausgang mit Verbeugungen von jedem einzelnen Zuschauer.

Ein wahrlich interessanter und emotionaler Abend! Wir sagen Danke und gratulieren dem GRIPS von Herzen! Schön, dass man Euch in aller Welt liebt!

Die „Seoul Line 1“ läuft auch am morgigen Mittwoch, 19. Juni, um 19:30 Uhr. Danach ist noch dreimal das Berliner Vorbild zu sehen, bevor das GRIPS in die Sommerpause geht. 50-Jährige brauchen auch mal eine Pause!

Wieder los geht’s im GRIPS am 7. August. Karten für die neue Spielzeit gibt es während der Sommerpause online unter grips-theater.de.

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Die Unmöglichen

Die Unmöglichen

Wenn eine Lesung nicht nur Lesung heißt, sondern „Lesung mit geballter Schauspielkunst“, dann kann sie sicherlich hier bei den Schattenlichtern als Theater-Tipp besprochen werden. Einer Lesung mit so auffälligem Untertitel folgten gestern Abend zwei Schattenlichter im Admiralspalast in der Friedrichstraße.

Bevor es losging, lieferte die Natur ein eindrucksvolles Schauspiel mit arg verdunkeltem Himmel, mit Starkregen, gleißenden Blitzen und polterndem Donner. Wer es klitschnass in den Admiralspalast geschafft hatte, hatte schon mal was zu erzählen.

Dann trat eine Mitarbeiterin des Hauses auf die leere Bühne und überraschte mit der Nachricht, dass trotz des Wetterspektakels alle sechs Lesungsschauspieler pünktlich eingetroffen seien. Mit Rücksicht auf das noch längst nicht vollständige Publikum der eigentlich ausverkauften Veranstaltung wolle man den Beginn der Lesung aber um zehn Minuten verschieben.

Dann ging es endlich los: Die „geballte Schauspielkunst“ betrat die wie für eine klassische Lesung mit Tischen und Wassergläsern eingerichtete Bühne. Ich wollte sie alle schon mal live sehen, nicht immer nur auf der Kinoleinwand – Jan Josef Liefers, Devid Striesow, Ronald Zehrfeld, Meret Becker, Claudia Michelsen und Thomas Loibl.

Die Lesung des Textes „Die Unmöglichen“ gestaltete sich tatsächlich eher wie ein Theaterstück mit Textbüchern als wie eine Lesung. Das Team interagierte mit großer Freude; immer wieder wurden Gegenstände von einem zum anderen gereicht, und nicht selten wechselte jemand seinen Platz. Es wurde auch lautstark geknutscht und gehauen. Anders als bei einem Hörbuch machten die Schauspieler auch die Geräusche selbst: Besonders begeistert war das Publikum von Babygeschrei, Anrufbeantwortern und Handyklingeln. Als Erzähler führt Jan Josef Liefers durch den Abend. Nebenbei trug er mit einigen humorvoll gespielten Nebenrollen zu der Geschichte bei.

Thema des als Hörspiel konzipierten Textes ist die pränatalen Diagnostik: Ein deutsches Ehepaar reist nach England, um in einer Privatklinik per In-Vitro-Fertilisation ein Kind zu zeugen. Drei Embryonen entstehen, aber nur einer wird eingepflanzt werden. In diesem Moment beginnt eine spekulative Vorschau auf die wichtigsten Ereignisse zwischen Geburt und Tod. In einer Parallelmontage werden die drei möglichen Leben der Embryonen – Amelie, Max und Fabian – erzählt: Was macht das Leben glücklich? Welches der drei Leben ist das lebenswerteste? Zu hören sind drei Möglichkeiten. Am Ende werden sich die Eltern für eine entscheiden – ohne das Wissen, dass die Zuschauer durch den Blick in die Zukunft haben. Und das ist auch gut so, denn man muss nicht alles schon vorher wissen …

Die Schattenlichter waren begeistert und empfehlen, schon mal eine kleine Wochenendreise für den nächsten Winter einzuplanen: „Die Unmöglichen“ werden dann gespielt, äh, gelesen, in Hannover (23.11.), in Dresden (26.1.2020) und in Leipzig (15. März 2020). Alle drei Daten sind Wochenendtermine, so dass sich eine kleine Städtereise anbietet.

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Balle, Malle, Hupe, Artur und der Zeitsprung

Balle, Malle, Hupe, Artur und der Zeitsprung

Als ich 1971 geboren wurde, brachte das GRIPS Theater sein Erfolgsstück „Balle, Malle, Hupe und Artur“ heraus. Inzwischen hat sich nicht nur bei mir einiges verändert, sondern auch in der Welt von Balle, Malle, Hupe und Artur. Daher zeigt das GRIPS das Stück nun in einer völlig neuen Version: Der ursprüngliche Stücktext stammte von GRIPS-Gründer Volker Ludwig, der aktuelle Text von Mehdi Moradpour und die Inszenierung von Vassilis Koukalani, der in Griechenland bereits mehrere Stücke von Volker Ludwig auf die Bühne gebracht hat.

Das aktuelle Stück – mit dem weniger sperrigen Titel „Die Lücke im Bauzaun“ – erzählt die Geschichte der vier Kinder neu. Im Berlin von 2019 haben die Kinder Tablets, aber ansonsten ganz ähnliche Probleme wie 1971.

Die heutige öffentliche Generalprobe überzeugte das Publikum vollends: Nichts nur, dass die „Menschen ab sechs“ besser 120 Minuten lang konzentriert blieben, als es häufig beim Publikum von Jugendstücken der Fall ist. Auch wenn es darum ging, Ideen in Richtung Bühne zu rufen, waren die Mädchen und Jungen engagiert und aufgeweckt.

Bei den von einer dreiköpfigen Band begleiteten Songs kamen die Zuschauer des Jahrgangs 1971, quasi GRIPS-Zeitzeugen, doppelt auf ihre Kosten: Zum einen wurden ihnen mitreißende, dynamische Lieder präsentiert, zum anderen war noch der eine oder andere 1971 erfolgreiche Refrain entfernt wiederzuerkennen: „Meins oder Deins“ und „Einer ist keiner“ sind mir zumindest gleich aufgefallen. Übrigens ein Verdienst des GRIPS Theaters, dass diese Zeilen heutzutage für weit weniger Aufregung sorgen als damals! Vielen Dank auch dafür!

Premiere ist übermorgen, am 6. Juni. Weitere Vorführungen sind am 8., 9. und 15. Juni; die Schulpremiere ist für den 14. Juni angesetzt. Die Premiere eröffnet die Festwochen „50 Jahre GRIPS“. Die Schattenlichter, die gerade mal 35 Jahre alt werden, gratulieren von Herzen und wünschen dem GRIPS weiterhin so vielversprechende Premieren und so tolle Schauspielerinnen und Schauspieler.

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Geballte Thalbach-Power

Geballte Thalbach-Power

Wer für heute genug Sonne abbekommen hat und trotzdem einen heiteren Abend verbringen möchte, dem empfehlen wir einen Gang in die Komödie, die ja derzeit im Schiller-Theater zu Hause ist.

Dort haben sich gesten Abend sechs Schattenlichter die Komödie „Der Raub der Sabinerinnen“ angesehen und gut gelacht. Neugierig gemacht hatte uns nicht das Stück selbst, sondern die Besetzung: Drei Generationen Thalbach waren uns versprochen worden, und so viel geballte Thalbach-Power war den Gang ins Theater in jedem Fall wert.

Das Stück selbst ist heiter ohne allzu viel Tiefgang, wie es sich für einen so warmen Frühsommertag gehört: Als Student hat Gymnasialprofessor Gollwitz eine Römertragödie geschrieben – ein unreifes Stück mit zahlreichen Anfängerfehlern, das gottlob jahrzehntelang im Schreibtisch des Professors eingestaubt ist. Doch Theaterdirektor Striese – Thalbach I spielt den Direktor und auch dessen Ehefrau – kann Gollwitz überreden, ihm das Stück für eine „grandiose Aufführung“ zu überlassen. Zwar hat Gollwitz Bedenken, aber Eitelkeit und Geldnot siegen, so dass die Tragödie unter einem Pseudonym erscheinen darf.

Es kommt, wie es kommen muss: Das Inkognito von Gollwitz wackelt, und die Aufführung droht zur Blamage zu werden. Dazu kommen noch jede Menge andere Verwicklungen und Verwirrungen …

Noch heute Abend (Sonntag, 2. Juni) um 18 Uhr – also nichts wie hin! Freie Plätze sind noch vorhanden.

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