Sommerzeit ist Open-Air-Theater-Zeit

Sommerzeit ist Open-Air-Theater-Zeit

Die Schattenlichter finden, dass zum Sommer unbedingt auch immer ein Theaterbesuch auf einer Open-Air-Bühne gehört. Und da sich ein Schattenlicht kürzlich in der Schule mit Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ herumschlagen musste – noch dazu auf Englisch -, lag es auf der Hand, zuzuschlagen, als dieses Stück auf dem Spielplan der Shakespeare Company Berlin auftauchte.

Zusätzlich reizvoll: Die Shakespeare-Profis spielen diesmal erstmals nicht auf ihrer Stammbühne im Schöneberger Südgelände am S-Bahnhof Priesterweg, sondern ein paar Meter weiter auf dem Gelände des Sommerbades am Insulaner.

Gestern Abend war es schließlich soweit! Hatten wir allerdings erwartet, auf den Tribünen des Schwimmbades Platz nehmen zu können, lagen wir falsch: Das „Theater am Insulaner“ ist separat am Rande des „Insu“-Geländes aufgebaut – ein typischer shakespearescher Theaterbau, mit rundem Grundriss und so guter Akustik, dass man auch jedes Wort der flüsternden Schulklassen verstehen konnte, die sich erfreulicherweise ebenfalls das Stück ansahen – und dass, obwohl doch bereits Schulferien sind!

Wie uns eher schlecht Vorbereiteten das Schüler-Schattenlicht beim Betreten des Theaters verriet, ist der „Kaufmann von Venedig“ nicht unumstritten, weil das Bild des jüdischen Geldverleihers im Stück arg negativ gezeichnet ist. Ob Shakespeare damit der Gesellschaftz einen Spiegel vorhalten wollte oder ob diese Anschauung seiner eigenen Meinung entsprach, darüber kann heute nur gemutmaßt werden.

In jedem Fall kann es nicht schaden, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen – Misstrauen und Vorurteile gegenüber anderen Volks- oder Religionsgruppen gibt es ja heute leider ebenso wie zu Shakespeares Zeiten.

Die Shakespeare Company Berlin führte das Stück mit sechs Schauspielerinnen und Schauspielern auf. Meist behielten die Schattenlichter den Durchblick, wer wer war. Wie der Belesene uns informierte, war die Rolle der Tochter des Juden gestrichen; ihr Text war geschickt auf die anderen Mitspieler verteilt. Ansonsten hielt sich die Inszenierung offenbar recht nahe am Originaltext. Erstaunlich, wie kurzweilig und verständlich die Dialoge präsentiert wurden! Schnelle Auf- und Abgänge, theatralische Mimik, schräge Musik, originelle Kostüme, ein sportlicher Schauspieler und ein einfaches, aber geniales Bühnenbild taten das Übrige.

„Der Kaufmann von Venedig“ ist noch heute und morgen um 20 Uhr zu sehen, dann wieder vom 16. bis zum 20. August.

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Autor: Elke Brumm

Elke Brumm ist das dienstälteste Schattenlicht. Bei der allerersten Aufführung im Weihnachtsgottesdienst 1985 in der Pauluskirche war sie noch Zuschauerin, aber schon beim zweiten Stück war sie aktiv dabei - und ist es bis heute geblieben. Neben den spielerischen Aktivitäten ist Elke Brumm das organisatorische Rückgrat der Schattenlichter; die studierte Theaterwissenschaftlerin und Germanistin (FU Berlin) macht für die Schattenlichter auch die Pressearbeit und die Programmhefte. Seit 2015 schreibt sie ungefähr einmal monatlich einen Theater-Tipp für den Freundeskreis der Schattenlichter, denn da die Schattenlichter immer nur im Februar spielen, muss man schließlich auch im restlichen Jahr wissen, wo man kurzweilige und inspirierende Theaterabende verbringen kann.

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