„Frauensache“ in der Berliner Erstaufführung

„Frauensache“ in der Berliner Erstaufführung

Die Schattenlichter sind bekennende Lutz-Hübner-Fans, haben bereits zwei Stücke des Erfolgsautors gespielt und unzählige im Theater angesehen.

Bei der Berliner Erstaufführung von Lutz Hübners Stück „Frauensache“ im Kleinen Theater am Südwestkorso durften sie natürlich nicht fehlen.

Wie immer haben sich Lutz Hübner und Co-Autorin Sarah Nemitz ein aktuelles Thema vorgenommen, das kontrovers diskutiert wird.

Anders als sonst – beispielsweise in „Frau Müller muss weg“ oder in „Richtfest“ – gibt es aber nichts zu lachen. Während sonst auch einige komische Wendungen zu verzeichnen sind oder Charaktere trotz ernster Themen auch mal witzige Sachen sagen, lässt das Thema diesmal für heitere Momente keinen Spielraum: Es geht um Schwangerschaftsabbrüche und den erbitterten Kampf der Befürworterinnen und der Gegnerinnen. Dazwischen stehen hilflos die ungewollt Schwangeren und werden zum Spielball der Kämpfenden.

Das Ganze ist in kurzen, knackigen und überzeugenden Szenen Schlag auf Schlag dargestellt – in einem praktischen Bühnenbild, das schnelle Umbauten ermöglicht.

Kein amüsanter Abend, aber ein lohnender! Daher lautet der Tipp der Schattenlichter: Hingehen! Die Gruppe hat das von einem reinen Frauenteam gespielte Stück generations- und geschlechterübergreifend angesehen. Es hat für alle Arten von Zuschauenden viel Mehrwert.

Die nächsten Termine: 21. und 22. Juni 2022

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„Schattenlichter“ begeisterten

„Schattenlichter“ begeisterten

Aus: Paulus Blätter (4/2022)
Autor: Detlev Riemer

Am 24. Februar fand in unserem Gemeindehaus ein Mord statt. Unter dem Titel „Scherz beiseite“ haben die „Schattenlichter“ ein Kriminalstück von Agatha Christie aufgeführt. Ich war begeistert!

Das Stück war – trotz des ernsten Titels – eine überaus heitere Angelegenheit. Die bemerkenswerte Spielfreude des Ensembles hat sich geradezu auf den Saal übertragen.

Die Auflösung des Kriminalfalls war dadurch kompliziert, dass sich die eigentliche Identität mehrerer Personen erst allmählich herausstellte. Das damit verbundene Entwirrspiel sorgte für Überraschungen, aber alles blieb – wie es sich gehört – logisch und nachvollziehbar.

Hervorzuheben ist das Spiel des temperamentvollen Hausmädchens und auch des Hausfreundes Don Bunner, bei dem man sich fragte, ob er den leicht vertüttelten Alten bloß auf der Bühne spielt …

Die Freude an „Scherz beiseite“ wurde allerdings getrübt durch die russische Invasion in die Ukraine, die am gleichen Tag begann.

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Das Chaos in Berlin ist beabsichtigt!

Das Chaos in Berlin ist beabsichtigt!

Wer bisher Berlin nicht verstanden hat, versteht es, wenn er Horst Evers‘ Show „Ich bin keiner, der sich an die große Glocke hängt“ in den Wühlmäusen sieht.

Tiefe Einblicke in die bislang geheimen Hintergründe unserer Stadt gibt es in dieser Show – beispielsweise in das Konzept, das hinter dem BER steckt, oder aber, wie einen die Dauerbaustelle am Mehringdamm auf das große Viehtreiben in Texas vorbereitet und welche Vorteile man hat, wenn es einem gelungen ist, in Berlin einen Personalausweis zu verlängern.

Aber damit nicht genug: Auch das technische Verständnis der Showbesucherinnen und -besucher wird gefördert: Wir wissen nun genaustens, welche Vorzüge Bücher gegenüber elektronischen Medien haben und warum sie dennoch über ein Ladekabel verfügen.

Wer ebenfalls diesen Wissensvorsprung haben möchte, hat in den kommenden Monaten mehrfach in den Wühlmäusen die Gelegenheit dazu: jeweils um 15:30 Uhr am 27. März, 14. und 15. Mai sowie vom 24. bis zum 28. August.

Vier Schattenlichter haben die Show heute sehr genossen und empfehlen sie allen anderen Berlinerinnen, Berlinern und Gästen dieser unglaublichen Stadt!

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O là là o là là o là là

O là là o là là o là là

Auf den Tag genau drei Wochen nach der Premiere unserer Agatha-Christie-Produktion sahen gestern Abend sechs Schattenlichter eine Agatha-Chistie-Inszenierung in der Berliner „Komödie“, die ja seit einigen Jahren das große Schiller-Theater als Ausweichquartier nutzt.

Die Komödie zeigt Agatha Christies „Mord im Orient-Express“, ihr vermutlich nach der „Mausefalle“ bekanntestes Bühnenstück. Anders als die „Mausefalle“ gehört es zu der Reihe der Krimis, in denen der belgische Detektiv Hercule Poirot ermittelt.

Dieser nahm in der „Komödie“ eine überaus zentrale Rolle ein – gespielt von Katharina Thalbach, die nicht zum ersten Mal für die „Komödie“ in einer männlichen Hauptrolle zu sehen ist.

Thalbach, die zugleich Regie führte und auch ihre Tochter und Enkeltochter im „Orient-Express“-Emsemble zusammenbrachte, legt die Rolle humoristisch übertrieben an: So viel „O là là o là là o là là“ wie im Laufe des gestrigen Abends bekommt man sonst bei einem vierwöchigen Frankreich-Urlaub nicht zu hören.

Für den Geschmack der sechs Schattenlichter etwas zu viel des Guten – wie bei allen anderen Rollen auch: von der einen, die die ganze Zeit schreit, bis zur anderen, die so abgrundtief böse ist, dass es auch jeder Blinde und Schwerhörige nach drei Sekunden verstanden hat.

Wirklich beeindruckend war das Bühnenbild, das den Orient-Express von außen und von innen zeigt – mal in einer beeindruckenden großen Bahnhofshalle, mal in einer bedrohlichen Schneewehe. Sogar die einzelnen Abteile lassen sich durch eine schnelle Drehung von außen und von innen zeigen.

Auch hier hat die „Komödie“ aber zu dick aufgetragen: mit weiteren Zugelementen zeitlich der Bühne, mit einer Projektionsfläche für langwierige Filmrückblicke und mit einem Sing- und Tanzensemble, was sogar noch größer war als das Schauspielerensemble selbst.

Bei all dem Pomp und den großangelegten Gesten fragten sich die Schattenlichter, ob sie sich in einer Verschmelzung aus Friedrichstradtpalast und Komischer Oper befänden – oder wirklich in der „Komödie“, die uns in der Vergangenheit oft mit einfachen, aber raffinierten Bühnenbildern überzeugt hatte.

Wer sich in den nächsten Wochen mit Agatha Christie auseinandersetzen möchte, gehe vielleicht besser noch ins Kino, um sich Kenneth Brannaghs Version vom „Tod auf dem Nil“ anzusehen.

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„Die Physiker“ im Schlosspark-Theater – 16 Jahre nach den Schattenlichtern

„Die Physiker“ im Schlosspark-Theater – 16 Jahre nach den Schattenlichtern

„Die Physiker“ spielten die Schattenlichter im Jahr 2006. Nun ist das geniale Stück von Friedrich Dürrenmatt im Schlosspark-Theater zu sehen: achtmal zwischen dem 24. Februar und dem 4. März 2022.

Zum Inhalt veröffentlicht das Steglitzer Theater Folgendes:

In dem beschaulichen Schweizer Sanatorium Les Cerisiers werden zwei Krankenschwestern ermordet, angeblich von Patienten erdrosselt. Auf den ersten Blick erscheinen die Verdächtigen recht harmlos: Der eine hält sich für Albert Einstein, der andere für Sir Isaac Newton und der dritte, Johann Wilhelm Möbius, wird von Visionen von König Salomon heimgesucht.

Doch unter dem geschärften Blick des mit dem Fall betrauten Inspektors Voß offenbart sich immer mehr, dass hier nichts so ist, wie es den Anschein hat.

In Wahrheit hat sich der Physiker Möbius in das Sanatorium zurückgezogen, um die Welt vor den Konsequenzen seiner Entdeckungen zu schützen. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse hätten katastrophale Folgen für die Menschheit. Doch wie lange kann er die Verbreitung seiner Forschungsergebnisse und Ideen aufhalten, ihren Missbrauch verhindern?

Seine Gegenspielerin ist Mathilde von Zahnd, die Besitzerin und Chefärztin des Sanatoriums, die bereits Kopien der Aufzeichnungen Möbius’ erstellt hat und mithilfe seiner Formel die Weltherrschaft erringen will.

Mit mörderischer krimineller Energie macht sie das Sanatorium zur unentrinnbaren Falle, und so treibt die Handlung, allen Bemühungen Möbius‘ zum Trotz, unaufhaltsam auf eine Krise zu.

Dürrenmatts von ihm selbst als Komödie bezeichnetes Stück entstand in unmittelbarem Zusammenhang mit Robert Jungks berühmt gewordenem Sachbuch „Heller als tausend Sonnen. Das Schicksal der Atomforscher“ (1956), eine Warnung vor der atomaren Zerstörung der Erde – und heute ein Klassiker der politischen Literatur, der Generationen geprägt hat.

Dürrenmatt rezensierte Jungks Buch und erschuf mit dem Bühnenstück ein groteskes Szenario, eine ganze Welt als Irrenhaus, als der Kalte Krieg auf einen gefährlichen Höhepunkt zusteuerte, den Mauerbau.

1962, im Jahr der Kubakrise, fand am Zürcher Schauspielhaus die Uraufführung statt. „Die Physiker“ wurde sofort zum Publikumsmagneten und war in der Spielzeit 1962/1963 das meistgespielte Stück auf deutschen Bühnen.

Zum ersten Mal entstand zu dieser Zeit ein allgemeines Bewusstsein dafür, dass die Zerstörung der gesamten Erde als Ergebnis fehlgesteuerter Politik und Technologie möglich geworden war.

Die düstere Vision Friedrich Dürrenmatts hat auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Brisanz verloren. Ein Theaterstück, das im besten Sinne aufklärt, spannend und unterhaltsam zugleich.

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Es geht um mehr als einen Grill

Es geht um mehr als einen Grill

Die Komödie „Extrawurst“ steht auf der Liste der künftigen Schattenlichter-Stücke ganz oben.

Nun nimmt das Renaissance-Theater die Komödie wieder ins Programm – das Stück lief dort schon einmal „vor Corona“ – wer bei den Theater-Tipps lange scrollt, findet unseren Bericht dazu.

Die acht Aufführungen werden vom 21. bis zum 28. Februar erfolgen.

Das Stück stammt von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, die vor allem als Autoren für TV-Comedyshows tätig sind; es erinnert aber auch stark an Stücke von Lutz Hübner und Sarah Nemitz.

Die Handlung spielt im Vereinsheim eines Tennisclubs, dessen Mitglieder einen Grill für Feiern kaufen wollen. Streit entbrennt um die Frage, ob für das einzige türkische Vereinsmitglied ein zweites Gerät beschafft werden soll, weil gläubige Muslime ihre Grillwürstenicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen. Bald geht es – wie man sich denken kann – um viel mehr als einen Grill …

-> Trotz der eigenen Aufführungen vom 24. bis zum 26. Februar 2022 fanden sechs Schattenlichter am 28. Februar die Zeit, sich die Derniere von „Extrawurst“ anzusehen. Die vier, die das Stück zum ersten Mal sahen, waren ebenso begeistert wie die beiden, die es bereits kannten. Die schnellen Dialoge, die aktuellen Themen und das detailverliebte Bühnenbild machten die Vorstellung zu einem überragenden Erlebnis!

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