„Drei Männer im Schnee“ – ein charmantes Buch auf die Bühne gebracht

„Drei Männer im Schnee“ – ein charmantes Buch auf die Bühne gebracht

Wenn 14 Schattenlichter zu Weihnachten gemeinsam ins Theater gehen, ist es perfekt, wenn sich für den Theaterbesuch ein Stück findet, zu dem die Gruppe einen Bezug hat. Diesmal ist das hervorragend gelungen: mit „Drei Männer im Schnee“ nach Erich Kästner im Kleinen Theater am Südwestkorso in Wilmersdorf.

Zum Einen haben die Schattenlichter vor einigen Jahren ein Stück von Kästner gespielt: „Verwandte sind auch Menschen“. Wer sich mit Kästner befasst, weiß seinen leisen Humor und seine feine Ironie und Gesellschaftskritik zu schätzen und freut sich auch über ein bisschen Berliner Lokalkolorit.

Zum Anderen interessieren sich die Schattenlichter seit langem dafür, wie aus erfolgreichen Romanen oder Filmen Bühnenskripte gemacht werden. Und „Drei Männer im Schnee“ existiert nicht nur als schnell zu lesender Roman (mir reichten gestern und heute die vier Fahrten mit der BVG ins Büro bzw. nach Hause), sondern es gibt auch eine herzallerliebste Schwarzweißverfilmung von 1955 mit Claus Biederstaedt, Paul Dahlke und Günter Lüders.

Und zum Dritten hatte einst ein Schattenlicht gesagt: „Drei Männer im Schnee“ müssen wir für uns zu einem Theatertext umschreiben. – Dazu ist es noch nicht gekommen, aber da ist es umso spannender, zu sehen, wie es im Kleinen Theater gelungen ist.

„Drei Männer im Schnee“ ist eine sympathische Verwechslungskomödie, in der es darum geht, ob armen Menschen ebenso viel Respekt entgegengebracht wird wie wohlhabenden. Um dies herauszufinden, tritt der reiche Berliner Unternehmer Eduard Tobler eine bei einem Preisausschreiben gewonnene Reise inkognito an und gibt sich als armen Schlucker aus. Seine Tochter warnt das Edelhotel vor, es werde ein verkleideter Millionär anreisen, der bitte so gut zu behandeln sei, wie er es gewohnt ist.

Wie es der Zufall will, hat außer Tobler auch ein junger Arbeitsloser das Preisausschreiben gewonnen, und genau ihn hält das Hotelmanagement für den heimlichen Millionär. Dieser wird nun bestens behandelt und mit allerlei Extras verwöhnt, während der echte Millionär in einer Dachkammer einquartiert wird und beim Schneeschieben helfen muss.

„Drei Männer im Schnee“ heißt ja, dass es noch einen dritten im Bunde geben muss, und das ist der ergebene Diener des Millionärs, der sich auf Wunsch seines Chefs als reicher Schiffahrtslinienbesitzer ausgeben muss und seinen Chef anfangs nicht kennen und schon gar nicht bedienen darf.

Wie sich weitere Verwicklungen ergeben und am Schluss eine tolle Freundschaft, eine Verlobung und ein neuer Job ergeben, macht viel Spaß zu sehen.

Im Buch ist allerdings alles noch nuancierter und herzlicher dargestellt; die beim Lesen und Filmbetrachten sich immer wieder zart andeutenden Momente der Rührung möchten sich beim Theaterbesuch nicht so recht einstellen. Auch die melancholischen Augenblicke, in denen sich der Roman ernsthaft mit der Problematik der Armut befasst oder die zarte Pflanze der Freundschaft betrachtet, werden im Theaterstück einfach weggelacht. Nicht zuletzt ist es ein wenig bedauerlich, dass die beste Szene im Film, in der „drei Männer im Schnee“ angetrunken einen Schneemann bauen, naturgemäß auf einer Theaterbühne nicht stattfinden kann.

Dennoch ist dem Kleinen Theater ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Stück mit echten Typen gelungen, das vor allem im Winter und in Berlin eine klare Daseinsberechtigung hat. Und die zeitgleiche Wiederholungslektüre des Buches erlaubt die Einschätzung, dass die besten und prägnantesten Dialoge es in die Bühnenfassung geschafft haben und dass es gut gelungen ist, die vielen Romanschauplätze bühnengerecht zusammenzufassen.

Die Premiere war am 22. November 2019, weitere Termine sind vom 28. bis zum 31. Dezember (Silvester sogar zweimal), vom 23. bis zum 26. Januar sowie am 14., 15., 22. und 23. Februar 2020.

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Autor: Elke Brumm

Elke Brumm ist das dienstälteste Schattenlicht. Bei der allerersten Aufführung im Weihnachtsgottesdienst 1985 in der Pauluskirche war sie noch Zuschauerin, aber schon beim zweiten Stück war sie aktiv dabei - und ist es bis heute geblieben. Neben den spielerischen Aktivitäten ist Elke Brumm das organisatorische Rückgrat der Schattenlichter; die studierte Theaterwissenschaftlerin und Germanistin (FU Berlin) macht für die Schattenlichter auch die Pressearbeit und die Programmhefte. Seit 2015 schreibt sie ungefähr einmal monatlich einen Theater-Tipp für den Freundeskreis der Schattenlichter, denn da die Schattenlichter immer nur im Februar spielen, muss man schließlich auch im restlichen Jahr wissen, wo man kurzweilige und inspirierende Theaterabende verbringen kann.

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