Schöner wohnen, aber nicht gemeinsam leben

Aus: Paulus Blätter (4/2019)
Autor: Lothar Beckmann

Das Theaterstück ist eine Mogelpackung. Bis zum Richtfest, so der Titel, schaffen es die Schauspieler nicht in diesem Drama, das die Theatergruppe Schattenlichter im Februar aufführte. Was harmonisch beginnt, als das Modell des gemeinsam zu bewohnenden Hauses von allen Handys begeistert abgelichtet wird, geht zwieträchtig bergab. Die Mitglieder der Baugemeinschaft liegen am Ende am Boden – im wahrsten Sinne des Wortes.

Zu unterschiedlich sind die Wünsche. Das Haus aus Glas lässt sich nicht gleichzeitig und gleichwertig einpassen ins Leben eines jungen Paares, eines alleinstehenden Senioren, eines bibliophilen Professors samt Partnerin aus der PR-Branche, eines Möbel missbilligenden Architekten und von zwei zwischen allen Stühlen sitzenden Künstlerinnen. Die Wünsche beißen sich: hier Dienstmädchenzimmer, dort Kinderzimmer. Das Traumhaus ist mal Plattenbau, mal Caritas-Heim, aber nie trautes Heim.

Die Schattenlichter spielen die fein gedrechselten Dialoge in vielen kurzen Szenen in wechselnder Kulisse, auch vor und neben dem Vorhang. Der Umbau im Halbdunkel klappt wie am Schnürchen. Die Figuren oben polarisieren die Zuschauer unten. Die Guten wie die schwangere Studentin mit ihrem Freund, dem Assistenzarzt, und die umtriebige Leiterin der Jugendhilfe, streiten mit den Bösen wie der unflätigen PR-Frau und dem aalglatten Architekten. Zu erwähnen ist Marco Höhmann in der Rolle des Senioren: Am Anfang mit federndem Schritt und flotten Sprüchen unterwegs, sitzt er zuletzt im Rollstuhl. Ein überzeugendes Darstellerdebüt in der Theatergruppe Schattenlichter.

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Einladung zum „Richtfest“


Noch freuen sich die Mitglieder der Baugruppe. (Foto: Frederik Ahlgrimm)

Aus: Paulus Blätter (2/2019)
Autorin: Elke Brumm

Wenn man ein Theaterstück von Lutz Hübner sieht, ist es immer wieder erstaunlich, wie vertraut einem die Charaktere erscheinen: „Genau so jemanden kenne ich auch!“, möchte man laut ausrufen. So ist es nicht überraschend, dass die Wahl für die nächste Aufführungsreihe der seit 1985 in der Paulusgemeinde aktiven Hobbytheatergruppe „Schattenlichter“
wieder auf ein Lutz-Hübner-Stück fiel: „Richtfest“.

„Richtfest“ handelt von einer Baugemeinschaft, in der sich sechs Parteien
zusammenfinden, um gemeinsam die Bauherrenschaft für ein Haus zu übernehmen. Dass die Beteiligten aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommen, sich vorher kaum kennen und ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Wohnen und vom Leben haben, macht die Sache nicht leichter. Zwar wird anfangs noch ganz gesittet diniert, diskutiert und geträumt, aber schon bevor geklärt ist, ob man denn nun eine „Bau- oder eine Lebensgemeinschaft“ sei, läuft das Ding aus dem Ruder.

Es treffen die verschiedensten Erwartungen und Interessen aufeinander,
gepaart mit finanziellen, architektonischen und familiären Einschränkungen. Wie viel Idealismus, Egoismus, Solidarität und finanzielle Zwänge verträgt so ein Projekt? Und wie viel ist jeder bereit,
in das kollektive Glück zu investieren?

Lutz Hübner und Co-Autorin Sarah Nemitz arbeiten seit 2001 sehr erfolgreich zusammen. Sie sind zurzeit Deutschlands meistgespielte zeitgenössische Theaterautoren. Die Schattenlichter liegen mit ihrem Geschmack also im Trend.

Zu sehen ist „Richtfest“ am Donnerstag, 21. Februar, und Freitag, 22.
Februar, um 19:30 Uhr und am Samstag, 23. Februar, um 18 Uhr. Einlass
in den Theatersaal ist 30 Minuten vor Aufführungsbeginn. Frühzeitige Kartenreservierungen werden empfohlen – bevorzugt über ein Internetformular auf www.schattenlichter.info, wenn es nicht anders geht, aber auch per E-Mail an schattenlichter@gmx.de und telefonisch
unter (030) 84 72 49 74. Solange der Vorrat reicht, gibt es auch im
Gemeindebüro und im Trödelcafé Karten zum direkten Kauf (keine Reservierungsmöglichkeit).

Nicht abgeholte Restkarten an der Abendkasse sind so gut wie immer zu
bekommen. Der Eintrittspreis beträgt unverändert nur fünf Euro, und die
Schattenlichter sammeln am Ausgang für die Deckung der Heizkosten des elf Meter hohen Theatersaals. Einen leckeren Pausensnack bietet die Flüchtlingshilfe des Kirchenkreises.

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