Was eine Königsente ist

Was eine Königsente ist

Erscheint die wöchentliche Kolumne des Journalisten Axel Hacke im Magazin der Süddeutschen Zeitung, oder hat die Süddeutsche Zeitung rund um Hackes Kolumne ein Magazin gestaltet? Es ist alles eine Frage der Perspektive – das erfuhren vier Schattenlichter gestern Abend im Schlosspark-Theater auf vielfältige und kurzweilige Art und Weise bei der Veranstaltung „Axel Hacke liest und erzählt“.

Sicher ist, dass Axel Hacke seit 30 Jahren geniale Kolumnen schreibt und nicht nur das geschriebene, sondern auch das gesprochene Wort erstklassig beherrscht. Wer bisher also nur seine Texte gelesen hat, sollte die Gelegenheit nutzen, ihn beim Vorlesen zu erleben.

Bei seinen Beobachtungen stützt sich Hacke zum einen auf eigene Erfahrungen – nicht umsonst hieß seine Kolumne jahrelang „Das Beste aus meinem Leben“ -, sondern auch auf zahllose Leserzuschriften, die ihn Tag für Tag erreichen. Wenn er sie für unglaubwürdig hält, recherchiert er nach – beispielsweise, als er nicht glauben konnte, dass Burger King seine Pommesverpackungen mit dem Hinweis „Vor dem Verzehr öffnen“ garniert. Ergebnis der Recherche: Es stimmt! Und das wirft bei Hacke natürlich Fragen auf: Benötigt die Zielgruppe wirklich diesen Hinweis? Und macht es geschmacklich überhaupt einen Unterschied, ob man die Verpackung vorher öffnet oder gleich mitisst?

Seit Hacke einmal über fehlerhaft übersetzte Speisekarten berichtete, erreichen ihn Zuschriften von deutschen Urlauberinnen und Urlaubern aus aller Welt. Hätten die Schattenlichter Hackes diesbezügliche Sammlung schon gekannt, als sie 2016 in Griechenland waren, hätten sie ihm sicherlich das Foto einer Speisekarte geschickt, auf der „Rinderscheiden in Knoblauchsoße“ angepriesen wurden …

Aber nicht nur falsch Übersetztes, sondern auch falsch Gemerktes amüsiert Hacke und das Publikum. Wenn zum Beispiel ein Kind im Restaurant „Königsente“ bestellen will, muss man sich gedanklich recht stark verrenken, um darauf zu kommen, wonach ihm der Sinn steht: „Kaiserschwan“, weil es „Kaiserschmarrn“ nicht richtig interpretieren konnte!

Laut Hacke können auch Büchhändler davon ein Lied singen, dass die Kundschaft sich Buchtitel nicht gut merken kann und daher die Buchhändler in Verlegenheit bringen. Hackes neustes Buch wird sicherlich zu weiterer Verwirrung beitragen, da es den nicht eben eingängigen titel „Im Bann des Eichelhechts und andere Geschichten aus Sprachland“ trägt.

Auch Songtexte haben das Zeug dazu, missverstanden zu werden. Auf die Spitze getrieben wurde das Verständnisproblem aber erst siet dem Sommer 2020. Warum? Corona-Zeit – Masken-Zeit! Da fällt das Verstehen doppelt schwer. Aber Hacke gibt sich zuversichtlich: Falls wir erst am Anfang der Pandemie stehen – wer weiß das schon? -, werden wir noch alle Profis im deutlichen Artikulieren werden.

Vom Anfang der Pandemie berichtete Hacke übrigens Folgendes: Da Lesungen mit Publikumskontakt wegen der Ansteckungsgefahr verboten waren, musste Hacke eine Lesung auf dem Lande in einem Autokino durchführen. Das Publikum saß gut geschützt in diversen Fahrzeugen, gut ausgestattet mit Speisen und Getränken. Anstelle des gewohnten Publikumsfeedbacks bekam der Autor nur unbewegliche Kühlergrills zu Gesicht – eine denkwürdige Erfahrung, auf deren Wiederholung er gerne verzichten würde. Wenn sich die Schattenlichter vor Augen halten, wie viel sie gestern Abend im Schlosspark-Theater gelacht haben, können sie sich schwer vorstellen, dass die Atmosphäre im Auto ebenso gut gewesen wäre. Also hoffen wir das Beste!

Nun war Axel Hacke leider nur einen Abend lang im Schlosspark-Theater. Worin kann also der Theater-Tipp der Schattenlichter bestehen?

Wir hätten da Dreierlei:

1. Auf www.axelhacke.de lässt sich gleich auf der Startseite Axel Hackes monatlicher „Brief auf dem Büro“ abonnieren – kostenlos und kurzweilig!

2. Wenn Corona ihn lässt, tourt Hacke in den kommenden Monaten durch Deutschland – von Leipzig in der nächsten Woche über Mainz, Heidelberg, Stuttgart und Memmingen. Karten gibt es zum Beispiel auf www.reservix.de.

3. Wer Axel Hacke auf seine Bühne lässt, hat zweifelsohne auch weitere gute Events im Angebot. Also einfach mal den Spielplan von www.schlossparktheater.de durchklicken. Die 2-G-Kontrolle am Einlass ist gründlich und zügig. Da geht man mit einem guten Gefühl ins Theater. Die Schattenlichter werden sich dort kurz vor Weihnachten „Rain Man“ ansehen, der vor wenigen Tagen Premiere im Schlosspark-Theater hatte. Wir werden berichten!

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Autor: Elke Brumm

Elke Brumm ist das dienstälteste Schattenlicht. Bei der allerersten Aufführung im Weihnachtsgottesdienst 1985 in der Pauluskirche war sie noch Zuschauerin, aber schon beim zweiten Stück war sie aktiv dabei - und ist es bis heute geblieben. Neben den spielerischen Aktivitäten ist Elke Brumm das organisatorische Rückgrat der Schattenlichter; die studierte Theaterwissenschaftlerin und Germanistin (FU Berlin) macht für die Schattenlichter auch die Pressearbeit und die Programmhefte. Seit 2015 schreibt sie ungefähr einmal monatlich einen Theater-Tipp für den Freundeskreis der Schattenlichter, denn da die Schattenlichter immer nur im Februar spielen, muss man schließlich auch im restlichen Jahr wissen, wo man kurzweilige und inspirierende Theaterabende verbringen kann.

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