Einen guten Eindruck machen

Einen guten Eindruck machen

Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, Lieblingsschauspieler, die man aus dem Kino gut kennt, live auf einer Bühne zu erleben. Nina Hoss und Mark Waschke, die 2012 in Christian Petzolds Kinofilm „Barbara“ ein Paar sind, sind auch in der aktuellen Schaubühneninszenierung „Bella Figura“ der französischen Erfolgsautorin Yasmina Reza zusammen.

Wie in „Barbara“ steht auch in „Bella Figura“ kein guter Stern über dem Paar: Der Mann hat seiner heimlichen Geliebten soeben unbedacht verraten, dass das Restaurant, das die beiden gerade besuchen wollten, ein Tipp seiner Ehefrau ist. Da er nun seine Liebschaft nicht zum Gang ins Restaurant bewegen kann, will er schließlich wieder abfahren – und kollidiert dabei ausgerechnet mit der Schwiegermutter der besten Freundin der betrogenen Ehefrau. Während die beste Freundin schnell mitbekommt, was hier Sache ist, und die Geliebte schnellstmöglich aus den Augen haben will, interessieren sich ihr Mann und ihre Schwiegermutter für die nette neue Bekanntschaft … Kontrastierend zu den immer verwickelter werdenden Wendungen auf der Bühne steht der laue Sommerabend mit zirpenden Grillen und quakenden Fröschen. Und während die Generation „Ü 40“ über Existenzängste, Medikamentenmissbrauch, Moral und Konventionen streitet, fragt die Schwiegermutter mit absurder und schöner Regelmäßigkeit aufgeregt: „Wo ist meine Handtasche?“

Das Bühnenbild zeigt mehrere Besonderheiten: Projektionen riesiger Insekten, die wohl weniger die romantisch zirpenden Grillen darstellen als ein Spiegelbild der Handlungen der Menschen; ein echtes, auf der Bühne fahrendes Fahrzeug – ein in der Gironde immatrikulierter Peugeot, schließlich spielt das Stück in Südfrankreich – und ein gläsernes Badezimmer, das dem Publikum nichts verbergen kann. Zum Titel des Stücks sei noch Folgendes verraten: „far bella figura“ heißt im Italienischen „einen guten Eindruck machen“.

Ganz nebenbei: Wer den Film „Barbara“ mag und mit seiner Theatergruppe als Stück aufführen möchte, kann bei den Schattenlichtern das Skript anfordern. 2014 hat ein Schattenlicht den Film „Barbara“ mit Erlaubnis von Christian Petzold für die Bühne adaptiert. Nun harrt das Stück seiner Uraufführung.

„Bella Figura“ läuft wieder am 3. und 4. Oktober 2015.

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Carpe diem!

Carpe diem!

Der Theater-Tipp des Monats Oktober kommt schon am 21. September, denn heute empfehlen wir eine Inszenierung, die nur noch bis zum 4. Oktober zu sehen sein wird. Da es noch Karten gibt, heißt es: Carpe diem!

In der Regel gibt es ein bekanntes, erfolgreiches Buch, aus dem jemand einen Film macht. Diesmal gab es einen erfolgreichen Film – auf dem eher unbekannten, schmalen Taschenbuch „Le second souffle“ basierend -, und daraus machte jemand ein Theaterstück. „Ziemlich beste Freunde“ zog im Erscheinungsjahr 2011 in seinem Entstehungsland Frankreich rund 19,2 Millionen Zuschauer ins Kino, und auch die Komödie am Kurfürstendamm hatte mit ihrer Inszenierung so viel Erfolg, dass sie sie nun schon als Wiederaufnahme zeigt. Wie setzt man aber die vielen Schnitte, Szenenwechsel und Charaktere eines dynamischen Films auf einer Bühne mit fünf Schauspielern um? Die „Komödie“ schafft das, ohne dass wichtige Informationen verloren gehen, und verleiht der Beziehung zwischen Querschnittsgelähmtem und Pfleger sogar noch mehr Tiefe als der Film, und das eigentlich jederzeit lachbereite Publikum belohnt die ernsten Szenen mit atemloser Stille.

Ein besonderer Hingucker für Freunde origineller Bühnenbilder sind die beiden Hintergrundwände, die in unterschiedlicher Drehung, Beleuchtung und Dekoration für die unterschiedlichen Räumlichkeiten herhalten. Dasselbe Prinzip, wenngleich weniger stark entwickelt, verwendeten die Schattenlichter schon 1994 beim „Großen Welttheater“ mit bewegten weißen Elementen, auf die Dias projiziert wurden. Wir hätten es patentieren lassen sollen …

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Die Freuden der Pflicht

Die Freuden der Pflicht

Dass es großen Spaß macht, einen bekannten und beliebten Roman für die Bühne zu adaptieren, haben die Schattenlichter vor drei Jahren beim Umschreiben von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ erlebt. Diesen Spaß merkt man auch der Inszenierung von Siegried Lenz‘ „Deutschstunde“ an, die derzeit noch auf der Probebühne des Berliner Ensembles zu sehen ist, ab Oktober aber wegen des großen Erfolgs auf der Hauptbühne gezeigt werden soll.

Die Geschichte eines jungen Menschen, der nach dem Zweiten Weltkrieg einen Aufsatz über „Die Freuden der Pflicht“ schreiben soll, aber nur ein leeres Blatt abgeben kann, weil er erst die Erinnerungen an seinen kompromisslos pflichtbewussten Vater verarbeiten muss, zeigt die Bühnenumsetzung des Dramatikers Christoph Hein nahe an der Romanvorlage.

Das Dutzend ausschließlich männlicher Schauspieler stellt nicht nur jeweils mehrere Charaktere und Typen dar, sondern fungiert auch als O-Ton-Geber für Möwen, Wind, Wellen, Sirenen, Motoren, Rhythmen und vieles mehr. Es tut gut, dass die aufgrund der Nazi-Thematik oft sehr ernsten Szenen auf diese Weise eine humorvolle Untermalung erhalten. Der Schattenlichter-Tipp: Hingehen — und möglichst vorher noch schnell den 573 Seiten starken Roman lesen. Eine Hommage an den im vergangenen Jahr verstorbenen Autor, deren Erfüllung keine Pflicht, sondern eine Freude ist!

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Eine winzige Bühne

Eine winzige Bühne

Oft empfinden wir Schattenlichter unsere sechs Meter breite Bühne am Teltower Damm 6 als zu klein für die vielen Darsteller und Requisiten. Da hilft ein Besuch der aktuellen Inszenierung „Felix Krull“ im Kleinen Theater am Südwestkorso: Was sich dort der Bühnenbildner einfallen ließ, um auf einer winzigen Bühnenfläche fünf Schauspieler samt ihrer Utensilien unterzubringen, ist so originell wie sehenswert. Statt in die Breite baut man in die Höhe, und unzählige Spiegelflächen vervielfältigen das Bühnengeschehen.

Abgesehen vom Bühnenbild schadet es natürlich auch nicht, das eigene literarische Grundwissen über die Bekenntnisse des berüchtigten Hochstaplers in der kurzweiligen Inszenierung von Matthias Witting aufzufrischen – noch dazu in dem Jahr, in dem gleich zwei Thomas-Mann-Jubiläen anstehen, nämlich sein 140. Geburtstag und sein 60. Todestag. Wieder am 2., 4., 12. und 13. September 2015.

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