Eine tolle Extrawurst

Eine tolle Extrawurst

Normalerweise gehen die Schattenlichter eine Woche vor ihrer eigenen Premiere nicht mehr ins Theater, denn der eigene Zeitplan ist mit den letzten Intensivproben und dem organisatorischen Geschehen schon mehr als voll. Aber diesmal musste doch noch ein Theaterbesuch eingeschoben werden, denn im Renaissance-Theater läuft nur noch wenige Tage ein Stück, das vom Plot her auch etwas für die Schattenlichter sein könnte. Daher machten sich vier gespannte Schattenlichter heute auf zum Ernst-Reuter-Platz, um die Komödie „Extrawurst“ zu sehen.

Der Stückinhalt mutet an, als wäre er vom derzeitigen Schattenlichter-Lieblingsautor Lutz Hübner geschrieben – ist er aber nicht. Das Autorenduo sind die Comedy-Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, die bereits für die Fernsehformate „Die Wochenshow“, „Ladykracher“, „Das Amt“ und „Stromberg“ verantwortlich zeichneten. 

Worum geht’s also in dem Stück? Sobald die Zuschauer den Saal betreten, befinden sie sich als Mitglieder eines kleinstädtischen Tennisvereins mitten in dessen Mitgliederversammlung. Bevor es zum wohlverdienten Feierabendbier samt Büfett übergeht, muss noch ein letzter Punkt der Tagesordnung abgehakt werden, der lediglich als Formsache gilt: die Abstimmung über die Anschaffung eines neuen Grills für die Vereinsfeiern.

Normalerweise kein Problem – gäbe es nicht den Vorschlag, auch einen eigenen Grill für das einzige türkische Mitglied des Clubs zu finanzieren. Denn gläubige Muslime dürfen ihre Grillwürste bekanntlich nicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen. 

Eine gut gemeinte Idee, die ebenso respektlos wie komisch Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, „Gutmenschen“ und Hardliner, Vegetarier und Fleischesser frontal aufeinander stoßen lässt. Und allen wird schnell klar: Es geht um viel mehr als einen Grill … 

Die Schattenlichter fanden das Stück sehr kurzweilig, dazu zugleich witzig und intelligent – ein bisschen wie „Der Vorname“, der vor zwei Jahren auf dem Schattenlichter-Spielplan stand. Neben wunderbaren klischeehaften Charakteren, die dennoch immer für eine Überraschung gut waren, begeisterte uns auch das Bühnenbild: Wer jemals in einem Mehrgenerationenverein Mitglied war, wird sich sofort heimisch fühlen.

Nun aber nicht mehr lange weiterlesen, sondern schnell Karten kaufen, denn es gibt nur noch fünf Aufführungen im Renaissance-Theater: am 15. und 16.2. um 18 Uhr sowie vom 18. bis zum 21.2. um 20 Uhr. Karten unter www.renaissance-theater.de.

Und nicht vergessen: Am 20. oder 21. Februar seid Ihr vermutlich bei den Schattenlichtern und seht das Stück „Barbara“!

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Lebenshilfe mit „Echsoterik“

Lebenshilfe mit „Echsoterik“


Der zweite Theaterbesuch im neuen Jahrzehnt führte vier Schattenlichter in die Berliner Wühlmäuse – zu Michael Hatzius, einem genialen Schauspieler und Puppenspieler, den die Schattenlichter vor einigen Jahren entdeckt hatten. Wer in den Theater-Tipps zurückscrollt, wird einen Eintrag zu Hatzius‘ Solo-Comedy-Programm „Echstasy“ finden.

Genauso, wie die Schattenlichter damals Seitenstiche vom zweistündigen durchgängigen Lachen bekamen, erging es ihnen auch gestern wieder, bei Hatzius‘ dritter Show, „Echsoterik“.

Die im Namen versteckte Echse ist Hatzius‘ große Handpuppe „Die Echse“, die ihre über Millionen Jahre gesammelten Erfahrungen gerne und gnädig herablassend mit dem Publikum teilt.

In „Echsoterik“ inszeniert sich die Echse als Guru: Sie ist in die Wühlmäuse gekommen, um die Menschen zu heilen und um ihnen Orientierung zu geben. So bietet die Echse dem Publikum zum Beispiel an, sich von ihr die Tarotkarten legen zu lassen. Hatzius gestaltete dafür in Zusammenarbeit mit dem Hallenser Künstler Robert Voss spezielle Tarotkarten, auf denen seine Puppenfiguren in vieldeutigen Motiven erscheinen. 

Hatzius bekommt auch in der aktuellen Show ein gutes Verhältnis zwischen Live-Spiel und Film hin: Während wir bei „Echstasy“ über Filmsequenzen aus dem verfallenen Spreeparkgelände mit seinem leise quietschenden Riesenrad lachten, toppte „Echsoterik“ das Ganze noch: In einer Handvoll kurzer Filme begleitet das Publikum Hatzius und die Echse auf ein – echtes – Esoterikfestival. Die Aussteller präsentieren der Echse stolz ihre abgedrehten Waren, und Hatzius als Meister der frechen Improvisation gibt als Echse seinen geerdeten Senf dazu. 

Aber nicht nur die Echse führt durch den Abend; es gibt auch einige toll gestaltete Nebenfiguren wie die Schweine Steffi und Torsten, die sich auf der Bühne verbal demontieren, ein depressives Huhn, eine meckernde Zecke und ein spuckendes Kamel. Und Hatzius selbst versucht sich zum Ärger der Echse als Clown, Zauberer und Märchenonkel.

Hatzius vertieft in seinem neuesten Programm nicht nur die Vielschichtigkeit seiner Figuren, sondern er erweitert auch den improvisierten Anteil, indem er immer wieder das Publikum in das Geschehen der Show einbindet. Und das war gestern der Knaller: Schulschwänzerin Fredi aus Lankwitz, Student Paul aus Pankow und Tunnelbauer Steve aus der schönen Priegnitz – unglaublich, dass diese Typen echt sind, und saukomisch, welche Gespräche die Echse mit ihnen führte!

Am 17. Mai ist Hatzius wieder mit „Echsoterik“ in den Wühlmäusen. Am besten jetzt schon Karten sichern – und am Abend selbst eine Quietscheechse und DVDs von den ersten beiden Shows erstehen, damit der Spaß zu Hause noch weitergeht.

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Zum Jahresbeginn über Rituale

Zum Jahresbeginn über Rituale

Jeder Mensch hat Rituale. Eins meiner liebsten Rituale gönne ich mir jedes Jahr um Silvester herum: Es ist der Besuch des legendären Berlin-Musicals „Linie 1“ im GRIPS Theater am Hansaplatz.

1986 feierte das Musical Premiere, 1987 sah ich es als Teeni und regelmäßige GRIPS-Gängerin zum ersten Mal. Das war gar nicht so einfach, denn alle wollten „Linie 1“ sehen, und man musste sich zum Monatsbeginn an einem Sonntagvormittag in einer langen Schlange nach Karten anstellen, und pro Person gab es maximal zwei Karten.

Seither habe ich das Musical mindestens einmal jährlich gesehen. Hinzu kommen Sonderbesuche wie zum 30-jährigen Stückjubiläum im April 2016 oder als koreanisches Gastspiel zum 50. Geburtstag des GRIPS‘ im Juni 2019. Weitere 20 Male sah ich „Linie“, wie das Stück damals im Insider-Jargon verkürzt genannt wurde, als ich 1994 meine Magisterarbeit am GRIPS Theater machte und monatelang jeden Abend den unterschiedlichen GRIPS-Vorstellungen beiwohnte, weil ich eine Publikumsbefragung durchführte.

Es kommen also rund 50 Besuche der „Linie 1“ zusammen. Da mag man sich fragen, ob es da überhaupt noch etwas Neues zu entdecken gibt, ob man das Stück nicht inzwischen auswendig kennt und ob es nicht langsam langweilig wird.

  1. Ja!
  2. Klar!
  3. Nein!
  1. Ein Theaterstück ist ja kein Film. Also ist jede Vorstellung ein bisschen anders – wenngleich nicht so extrem und nicht so unabsichtlich anders wie die jährlichen drei Vorführungen der Schattenlichter … Auch gibt es in jedem Jahr ein oder zwei neue Besetzungen, denn nicht jeder Schauspieler hat einen so langen Atem wie Dietrich Lehmann, der seit 1986 ausnahmslos jede Vorführung gespielt hat. Und nicht jede Rolle bietet sich dafür an, über 34 Jahre nicht umbesetzt zu werden. Ich stelle mir nur vor, was wäre, wenn immer noch Petra Zieser ein kicherndes pubertierendes Schulmädchen oder Ilona Schulz eine picklige Schulabbrecherin spielen würde … Jedes Mal macht es Spaß, die Aufführungen zu vergleichen, Textänderungen aufzuspüren und kleine Improvisationen zu entdecken, die den Erstbesuchern verborgen bleiben. Nicht zuletzt hat sich die „Linie 1“ über die Jahrzehnte verändert: Anfangs versuchte GRIPS-Chef und -Autor Volker Ludwig, aktuelle Veränderungen in das Stück einzubauen: erhöhte Entgelte beim Schwarzfahren, veränderte Linienführungen der U 1, den Fall der Mauer – da zogen die Möwen plötzlich nicht mehr über die Mauer, sondern über die Spree -, neue Politiker und neue Währungen. Schließlich wurde es zu paradox, und das GRIPS ging zurück auf Null bzw. auf den Anfang des Musicals: „West-Berlin 1986“ wird nun immer zu Stückbeginn auf die Bühne projiziert, und dann ersteht auf der Bühne das West-Berlin meiner Jugend auf. Da das GRIPS mit der Zeit geht, gibt es auch organisatorische Neuerungen: Es begann mit der Kartenreservierung übers Internet, ging weiter mit der Installation englischsprachiger Übertitel und gipfelte darin, dass ich heute erstmals mit „Print at home“-Eintrittskarten ins Theater gekommen bin, statt die Karten spätestens am Vortag persönlich abzuholen. Heute war für mich neu, dass das regelmäßig neu besetzte Wessi-Mädchen rothaarig war und in der Schlussszene erstmals seit 1986 nicht mehr rückwärts gehen muss. Neu war der Schlagzeuger in der ansonsten sehr treuen Band „No Ticket“; die anderen Musiker werden immer besser und verändern sich im Laufe der Jahre nur peu à peu: Lange blonde Locken sind auf der Strecke geblieben, und eine halbe Brille ist hinzugekommen …
  2. Wenn eine Schauspielerin krank wird, kann mich das GRIPS gerne fragen, ob ich einspringe. Vermutlich bin ich dann aber bei den Schattenlichtern so stark ehrenamtlich eingebunden, dass ich ablehnen muss – eine faule Ausrede, weil ich niemandem meinen Gesang zumuten möchte. Den überlasse ich lieber Supertalenten wie Patrick Cieslik, der als Bambi mindestens so cool ist wie die Premierenbesetzung Dieter Landuris und der „Fahr mal wieder U-Bahn“ mindestens so gut singt wie Thomas Ahrens. Einfach toll! Möge Patrick Cieslik mindestens so viele Jahre am GRIPS Theater bleiben wie Dietrich Lehmann!
  3. Wird Euch etwa langweilig, wenn Ihr Eure Lieblingsmusik immer wieder auflegt? Nein? Dann versteht Ihr auch, warum es nicht langweilig ist, „Linie 1“ 50-mal zu sehen. – Spannend sind auch Details wie die Frage, ob man es schaffen wird, einen der Zettel zu ergattern, die der verrückte Weltverbesserer im Publikum verteilt. Heute hat’s geklappt!

Abgesehen davon habe ich leider viele Vorstellungen verpasst und nur einen Bruchteil gesehen. Heute war die 1.924. Vorstellung von „Linie 1“. Was sind da schon 50 Male? Gerade mal jeder 20. „Linie“ habe ich beigewohnt …

Zum Ritual gehört nicht nur der Theaterbesuch an sich. Es sind viele Details, die dazugehören – wie die obligatorische Anreise mit der U-Bahn, das Anstehen vor der linken Saaltür 30 Minuten vor Einlass (die schweißtreibende Einlasssituation ist mit der bei den Schattenlichtern vergleichbar), das Erobern von Plätzen in Reihe 2 (Reihe 1 hat keine Rückenlehne) und der Besuch des Spätis am Hansaplatz in der Pause. Als „Linie 1“-Junkie weiß man einfach alles, sogar welche der vier Klotüren klemmt und daher gemieden werden sollte.

Der Theater-Tipp der Schattenlichter? Hingehen, ganz klar! Zum Beispiel am 3. oder 4. Januar oder zwischen dem 31. Januar und dem 4. Februar 2020! Viel Spaß!

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Einmischung ist wichtig

Einmischung ist wichtig

Der letzte Theaterbesuch der Schattenlichter im Jahr 2019 ist sicherlich auch der anspruchsvollste; er führte vier Schattenlichter ins Hans-Otto-Theater in Potsdam, wo sich die Gruppe schon mehrfach Stücke ihres Lieblingsautors Lutz Hübner angesehen hatte.

Diesmal stand eine Bühnenfassung von Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“ auf dem Spielplan: Nach der Parole „Führer befiehl, wir folgen!“ haben auch Anna und Otto Quangel ihr Leben eingerichtet. Das Ehepaar wohnt unter bescheidenen Umständen in einem Berliner Arbeiterviertel. Die beiden verstehen sich als kleine, unpolitische Leute.

Doch als sie vom Tod ihres einzigen Sohnes im Krieg gegen Frankreich erfahren, begreifen sie plötzlich, wie falsch, verlogen und verbrecherisch das Regime Hitlers ist. In ihnen reift ein Plan: Sie wollen den Kampf gegen die übermächtige Maschinerie des Nazistaates aufnehmen. Und so schreiben sie einfache Botschaften auf Postkarten, in denen sie zum Widerstand aufrufen. Die Karten verteilen sie auf Treppen und Hausfluren überall in der Stadt. Damit riskieren sie ihr Leben, denn die Menschen um sie herum sind durch das System korrumpiert: Da gibt es die Mitläufer, die nur an ihren Vorteil denken. Es gibt die Denunzianten, die Angst verbreiten. Und es gibt die Nazi-Kader, die niederträchtig und brutal ihre Macht ausleben. Es scheint, als stünden die Quangels mit ihren stillen Aktionen auf verlorenem Posten. Doch die Nazis werden nervös. Denn die Postkarten beweisen: Zivilcourage und Humanität lassen sich nicht ausrotten.

Falladas letzter Roman, der auf eine wahre Begebenheit zurückgeht, entwirft ein kraftvoll gezeichnetes, höchst plastisches Panorama einer zunehmend verrohten, moralisch enthemmten, egoistischen Gesellschaft. Auf ermutigende Weise zeigt er zugleich: Auch in einem totalitären System ist es möglich, standhaft zu bleiben, die Angst zu überwinden, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen und menschliche Würde zu bewahren.

In der Inszenierung des Hans-Otto-Theaters wird das Nazi-Regime in seiner ganzen Härte und Brutalität gezeigt. Lautstärke und Begleitmusik sind am Rande des Erträglichen. Die Figuren bewegen sich auf einer fast pausenlos in Bewegung befindlichen Drehbühne. Wie sinnbildlich: Was die kleinen Leute auch tun, um gegen die Nazis aufzubegehren, sie drehen sich im Kreise.

Den Schattenlichtern kam die Handlung aus dem Kino bekannt vor – und tatsächlich: Der Roman wurde mehrfach verfilmt, zuletzt 2015 als Produktion der Firma „X Filme Creative Pool“ unter der Regie von Vincent Perez. Die Hauptrollen spielen die britische Oskar-Preisträgerin Emma Thompson und der irische Schauspieler Brendan Gleeson. Der Film wurde in Görlitz, Berlin und Köln gedreht und kam am 17. November 2016 in die Kinos.

Ich erinnere mich, dass ich die Handlung sehr packend fand, ich aber irritiert war, Emma Thompson auf Deutsch „Herr Obergruppenführer“ sagen zu hören. Auch wenn Emma Thompson ohne Frage eine großartige Schauspielerin ist, hätte hier auch die deutsche Schauspielerpalette einiges im Angebot gehabt, beispielsweise Marie Bäumer oder Bettina Zimmermann. Auch die Darstellerin aus dem Hans-Otto-Theater wäre eine Option gewesen!

Hans Fallada (geb. am 21. Juli 1893 in Greifswald; gest. am 5. Februar 1947 in Berlin) hieß eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen. Bereits mit dem ersten, 1920 veröffentlichten Roman „Der junge Goedeschal“ verwendete Rudolf Ditzen das Pseudonym Hans Fallada. Es entstand in Anlehnung an zwei Märchen der Brüder Grimm. Der Vorname bezieht sich auf den Protagonisten von „Hans im Glück“, der Nachname auf das sprechende Pferd Falada aus „Die Gänsemagd“: Der abgeschlagene Kopf des Pferdes verkündet so lange die Wahrheit, bis die betrogene Prinzessin zu ihrem Recht kommt.

Fallada wandte sich spätestens 1931 mit Bauern, Bonzen und Bomben gesellschaftskritischen Themen zu. Fortan prägten ein objektiv-nüchterner Stil, anschauliche Milieustudien und eine überzeugende Charakterzeichnung seine Werke. Der Welterfolg „Kleiner Mann – was nun?“, der vom sozialen Abstieg eines Angestellten am Ende der Weimarer Republik handelt, sowie die späteren Werke „Wolf unter Wölfen“, „Jeder stirbt für sich allein“ und der postum erschienene Roman „Der Trinker“ werden der Neuen Sachlichkeit zugerechnet.

Das ebenso spannende wie düstere Stück läuft wieder am Samstag, 18. Januar, um 19:30 Uhr; Karten gibt es unter www.hansottotheater.de.

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Prinz Hamlet lebt im Wedding

Prinz Hamlet lebt im Wedding

Der dritte Theaterbesuch der Schattenlichter im Dezember ist sicherlich der volksnahste: Er führte fünf Schattenlichter zum Prime Time Theater in der Weddinger Müllerstraße, der Brutstätte von GUTES WEDDING, SCHLECHTES WEDDING (GWSW).

GWSW ist die weltweit einzige Theater-Sitcom. Seit 2003 hat sie sich zum Publikumserfolg entwickelt – mit Geschichten aus dem Herzen Berlins über Generationskonflikte, Selbstfindung, Dönerbuden-Lifestyle und Beziehungen aller Art. In diesen Tagen startet die 125. Folge.

Die Schattenlichter sahen allerdings diesmal keine Folge von GWSW, sondern eine Sonderproduktion: „Hamlet – Problemprinz aus dem Wedding“. Wie die GWSW-Folgen spielt auch Hamlet im Wedding, und die Prenzelberger sind die erbitterten Feinde. Die Handlung ist aus Hamlet oder auch aus dem „König der Löwen“ bekannt: Hamlets Vater ist verstorben, und nun ist Hamlets Onkel der neue Herrscher im Königreich Wedding – und zugleich der neue Mann an der Seite von Hamlets Mutter. Hamlet muss nun seinen Erzeuger rächen, das Verhältnis zu seiner Mutter klären und zu guter Letzt noch das gesamte Königreich Wedding vor den gierig gentrifizierenden Prenzelbergern retten!

Die tragische Geschichte erhält viele höchst komische Elemente; da lacht sicherlich auch Shakespeare im Jenseits schallend. Alleine schon, zu welchen Waffen Weddinger greifen, um sich gegen Prenzelberger zur Wehr zu setzen, ist den Besuch wert und zweifelsohne kurzweiliger als die Vorlage von 1601/02!

Aber Details sollten nicht verraten werden. Viel besser ist es, sich das Stück selbst anzusehen: Noch am 28. und 29. Dezember 2019 und vom 3. bis zum 5. Januar 2020 gibt es die Gelegenheit dazu.

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„Drei Männer im Schnee“ – ein charmantes Buch auf die Bühne gebracht

„Drei Männer im Schnee“ – ein charmantes Buch auf die Bühne gebracht

Wenn 14 Schattenlichter zu Weihnachten gemeinsam ins Theater gehen, ist es perfekt, wenn sich für den Theaterbesuch ein Stück findet, zu dem die Gruppe einen Bezug hat. Diesmal ist das hervorragend gelungen: mit „Drei Männer im Schnee“ nach Erich Kästner im Kleinen Theater am Südwestkorso in Wilmersdorf.

Zum Einen haben die Schattenlichter vor einigen Jahren ein Stück von Kästner gespielt: „Verwandte sind auch Menschen“. Wer sich mit Kästner befasst, weiß seinen leisen Humor und seine feine Ironie und Gesellschaftskritik zu schätzen und freut sich auch über ein bisschen Berliner Lokalkolorit.

Zum Anderen interessieren sich die Schattenlichter seit langem dafür, wie aus erfolgreichen Romanen oder Filmen Bühnenskripte gemacht werden. Und „Drei Männer im Schnee“ existiert nicht nur als schnell zu lesender Roman (mir reichten gestern und heute die vier Fahrten mit der BVG ins Büro bzw. nach Hause), sondern es gibt auch eine herzallerliebste Schwarzweißverfilmung von 1955 mit Claus Biederstaedt, Paul Dahlke und Günter Lüders.

Und zum Dritten hatte einst ein Schattenlicht gesagt: „Drei Männer im Schnee“ müssen wir für uns zu einem Theatertext umschreiben. – Dazu ist es noch nicht gekommen, aber da ist es umso spannender, zu sehen, wie es im Kleinen Theater gelungen ist.

„Drei Männer im Schnee“ ist eine sympathische Verwechslungskomödie, in der es darum geht, ob armen Menschen ebenso viel Respekt entgegengebracht wird wie wohlhabenden. Um dies herauszufinden, tritt der reiche Berliner Unternehmer Eduard Tobler eine bei einem Preisausschreiben gewonnene Reise inkognito an und gibt sich als armen Schlucker aus. Seine Tochter warnt das Edelhotel vor, es werde ein verkleideter Millionär anreisen, der bitte so gut zu behandeln sei, wie er es gewohnt ist.

Wie es der Zufall will, hat außer Tobler auch ein junger Arbeitsloser das Preisausschreiben gewonnen, und genau ihn hält das Hotelmanagement für den heimlichen Millionär. Dieser wird nun bestens behandelt und mit allerlei Extras verwöhnt, während der echte Millionär in einer Dachkammer einquartiert wird und beim Schneeschieben helfen muss.

„Drei Männer im Schnee“ heißt ja, dass es noch einen dritten im Bunde geben muss, und das ist der ergebene Diener des Millionärs, der sich auf Wunsch seines Chefs als reicher Schiffahrtslinienbesitzer ausgeben muss und seinen Chef anfangs nicht kennen und schon gar nicht bedienen darf.

Wie sich weitere Verwicklungen ergeben und am Schluss eine tolle Freundschaft, eine Verlobung und ein neuer Job ergeben, macht viel Spaß zu sehen.

Im Buch ist allerdings alles noch nuancierter und herzlicher dargestellt; die beim Lesen und Filmbetrachten sich immer wieder zart andeutenden Momente der Rührung möchten sich beim Theaterbesuch nicht so recht einstellen. Auch die melancholischen Augenblicke, in denen sich der Roman ernsthaft mit der Problematik der Armut befasst oder die zarte Pflanze der Freundschaft betrachtet, werden im Theaterstück einfach weggelacht. Nicht zuletzt ist es ein wenig bedauerlich, dass die beste Szene im Film, in der „drei Männer im Schnee“ angetrunken einen Schneemann bauen, naturgemäß auf einer Theaterbühne nicht stattfinden kann.

Dennoch ist dem Kleinen Theater ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Stück mit echten Typen gelungen, das vor allem im Winter und in Berlin eine klare Daseinsberechtigung hat. Und die zeitgleiche Wiederholungslektüre des Buches erlaubt die Einschätzung, dass die besten und prägnantesten Dialoge es in die Bühnenfassung geschafft haben und dass es gut gelungen ist, die vielen Romanschauplätze bühnengerecht zusammenzufassen.

Die Premiere war am 22. November 2019, weitere Termine sind vom 28. bis zum 31. Dezember (Silvester sogar zweimal), vom 23. bis zum 26. Januar sowie am 14., 15., 22. und 23. Februar 2020.

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Ein Filmset auf der Bühne

Ein Filmset auf der Bühne

Die Schattenlichter haben, wie ihre Zuschauer wissen, ein Herz für französische Komödien – so haben wir in den letzten Jahren mit viel Spaß „Boeing Boeing“ und „Der Vorname“ gespielt.

Unsere Passion teilt auch Dieter Hallervorden, der schon die eine oder andere französische Komödie eigenhändig ins Deutsche übersetzt und auf die Bühne seines Schlosspark-Theaters gebracht hat.

Seine neuste französische Errungenschaft wurde 2016 in Paris uraufgeführt: „Silence, on tourne“ oder „Ruhe, wir drehen“. Kurzerhand wird die Bühne zum Filmset, Schauspieler und eine Filmcrew kreuzen auf, und das Publikum wird ungefragt als Komparserie verpflichtet. Gleich zu Drehbeginn werden die Komparsen eingewiesen, an den richtigen Stellen zu lachen oder Laute des Erschreckens von sich zu geben.

Das alles ist ausgesprochen lustig und kurzweilig, denn das Filmteam besteht aus einer bunten Mischung von Diven und Möchtegern-Stars, und um sie herum wirbeln Maske, Regisseur, Regieassistenz und Technik. Und natürlich hat jeder seine kleine Macke oder sein kleines Geheimnis.

Wie beim richtigen Film dauert es ewig, bis die Szene im Kasten ist, und natürlich kommt es anders, als man denkt. Mehr darf nicht verraten werden …

Für Samstag und Sonntag sind noch ein paar „Komparsenplätze“ frei, also nichts wie hin! Worüber fünf Schattenlichter herzhaft gelacht haben, das beschert bestimmt auch Euch einen heiteren Abend!

Weitere Theater-Tipps auf schattenlichter.info!

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Skandal im Spreebezirk

Skandal im Spreebezirk

Was für ein Kabarett: Der BER wurde nur dreimal erwähnt – als Beispiel für die Verschwendung von Steuergeldern oder für die große deutsche Tugend der Geduld. Wenn der BER in einem Berliner Kabarett keine wichtige Rolle spielt, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass es zurzeit andere dringende Themen in diesem unseren Lande gibt.

Das Kabarettistenteam der „Distel“ griff vielerlei Top-Aktuelles auf – beispielsweise Political Correctness, die Europapolitik, Steuerflüchtlinge, andere Flüchtlinge, das Phänomen der deutschen Angst, was Deutsche von Amerikanern lernen können, die Verkehrspolitik der deutschen Bahn, den schleichenden Tod der SPD, die Berliner Mietenpolitik, den Dieselskandal, das deutsche Steuersystem …

Es gab eigentlich nichts, was nicht zur Sprache kam. Nur der Klimawandel wurde nicht mehr behandelt – denn dafür war es schon „zu spät“!

Das neue Programm der „Distel“, „Skandal im Spreebezirk“, greift auf die bewährten Elemente der „Distel“ zurück: gesprochene und gesungene Kabarett-„Nummern“ zu allen Themen, die die Berliner derzeit bewegen, kurzweilig, kritisch und zugleich witzig, verständlich, nachdenklich machend, und hin und wieder bleibt einem das Lachen im Halse stecken …

Fünf Schattenlichter haben sich bestens unterhalten und die Fähigkeiten der drei Schauspieler und der beiden Musiker bestaunt. Daher unsere Empfehlung: Hingehen! Und auf keinen Fall schon beim ersten Applaus gehen, denn erst danach erschließt sich der Titel des Programms: „Skandal im Spreebezirk“!

Die nächsten Termine zeigt der Spielplan der „Distel„.

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„Die Mauer wird noch in 100 Jahren stehen“

„Die Mauer wird noch in 100 Jahren stehen“

Dieser Theater-Tipp führt Euch am Feiertag, dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2019, in den Spreewald: In der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben gibt es eine Theaterveranstaltung unter dem Motto „30 Jahre friedliche Revolution“.

Der Theatertext stammt nicht nur von einem Mitglied der Schattenlichter, sondern er ist authentisch, quasi autobiografisch. Warum? Da muss ich etwas weiter ausholen:

Im Mai 1989 lebten wir in West-Berlin im Schatten der Mauer. Während von der anderen Seite „Die Mauer wird noch in 100 Jahren stehen“ herüberschallte, hielten auch wir in Berlin-Zehlendorf die Mauer für unverrückbar, so festgefahren schien die Lage nach 40 Jahren Kaltem Krieg.

Ich war gerade in der 12. Klasse; damals brauchte man an West-Berliner Gymnasien regulär 13 Jahre bis zum Abitur. Für ein Referat in meinem Grundkurs Geschichte musste ich eine Befragung durchführen – mit der Fragestellung: „Wie könnte es zu einer Wiedervereinigung kommen und für wann ist sie wahrscheinlich?“

In Fächern, die mich interessierten, war ich eine recht fleißige Schülerin. Also befragte ich ganze 45 Personen, und zwar nicht nur meine Schulfreunde und Verwandten, sondern auch Menschen in Ost-Berlin und Dresden, in Polen, Frankreich, Algerien und in den USA – eben alle, die ich irgendwoher kannte und von denen ich mir interessante Antworten erhoffte. Das Referat war dann auch recht spannend. Eine Schulstunde war dafür angesetzt – gebraucht habe ich vier.

Die Antwortenden gingen größtenteils davon aus, dass sie selbst eine Wiedervereinigung nicht mehr erleben würden; für so unwahrscheinlich hielten sie eine grundlegende Veränderung der politischen Lage.

Schon fünf Monate später hat uns die friedliche Revolution eines besseren belehrt. Gerade dieses kurze Zeitintervall macht die Antworten meiner Interviewpartner so einmalig!

Ein paar Jahre später überlegte ich, was ich mit diesem historischen Dokument machen sollte, denn dass diese Texte es verdienen, noch von weiteren Menschen außer von meinen Mitschülern gehört zu werden, lag für mich auf der Hand. So schrieb ich ein kleines Theaterstück als Rahmenhandlung zu den 45 Aussagen. Die Idee: Jede Theatergruppe beliebiger Größe kann sich dieses Stücks annehmen, die Rahmenhandlung realistisch spielen und die 45 Stellungnahmen von zwei bis 45 Schauspielern aufführen.

Zu meiner Freude erlebt „Die Mauer wird noch in 100 Jahren stehen“ nun also am 3. Oktober seine Uraufführung. Auf dem Lübbener Theaterflyer stehen die Namen von 14 Mitspielerinnen und Mitspielern, die das Stück unter der Leitung von Ute Köhler darbieten. Offenbar werden Fotos eine Rolle spielen, denn es finden auch die Namen zahlreicher Fotografen auf dem Flyer eine Erwähnung.

Ich selbst habe am 3. Oktober eine leider unverrückbare Einladung, aber ich freue mich, wenn andere Menschen den Weg nach Lübben finden und den Schattenlichtern berichten! Und der Truppe um Ute Köhler wünschen die Schattenlichter Toi toi toi!

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